Gerhard und Ursula Oberthür aus Vellmar feiern morgen diamantene Hochzeit

Ja-Wort niemals bereut

Ehrentag: 60 Ehejahre mit Höhen und Tiefen bestimmten das Leben von Ursula und Gerhard Oberthür aus Vellmar, das am morgigen Sonntag seine Diamantene Hochzeit begeht. Foto: Brandau

Vellmar. Es war Ende der 1940er-Jahre im Nachkriegs-Dresden, als sich Gerhard Oberthür und Ursula Kluge kennen und lieben lernten. Die gebürtige Erfurterin war in die Elbestadt gekommen, um dort Musik zu studieren. Gerhard Oberthür hatte sich zunächst für ein Architekturstudium entschieden, wollte dann aber doch lieber ein Theologiestudium beginnen. Doch das wurde ihm damals verwehrt und weil die Eltern seiner Braut in Hannover wohnten, wuchs bei dem jungen Paar schnell der Entschluss, auch nach Westdeutschland zu gehen.

Ihre Wahlheimat wurde Erlangen, wo sie beide ungehindert studieren konnten. Kurz danach wurde geheiratet, zunächst nur standesamtlich. Die kirchliche Trauung fand sechs Monate später im Kreis der Familie in Hannover statt.

„Auf ein Brautkleid oder einen Anzug mussten wir verzichten“, berichtet Ursula Oberthür. „Dazu war kein Geld da.“ Auch Geschenke habe es nicht gegeben. Die Not sei sehr groß gewesen und obwohl Gerhard Oberthür neben seinem Studium noch als Werksstudent bei den Nürnberg-Fürther Straßenbahnbetrieben gearbeitet habe, hätte man ohne die zusätzliche Unterstützung der Familie kaum überleben können. „Nur so konnten wir uns über Wasser halten“, erinnert sich der 87-Jährige.

In Erlangen kamen dann auch die ersten drei von insgesamt neun Kindern zur Welt und Ursula musste ihr Studium aufgeben. Dafür stand sie ganz an der Seite ihres Mannes, der Mitte der 50er-Jahre seine erste Pfarrstelle in Thurnhosbach bei Sontra antrat.

Auch das spärliche Pfarrersgehalt habe damals nicht zum Leben ausgereicht. Die Gemeindeglieder unterstützten die Familie mit Naturalien, die sie freiwillig spendeten.

1958 erfolgte die Versetzung nach Immenhausen und neun Jahre später nach Niederzwehren. Trotz eines Schlaganfalles blieb Pfarrer Oberthür dort bis zur Pensionierung. 1989 bezog das Ehepaar dann ein eigenes Haus im Vellmarer Musikerviertel, wo es bis heute zurückgezogen lebt.

„In Vellmar fühlen wir uns sehr wohl“, sind sich die beiden einig. Dass es eine gute Entscheidung war, vor 60 Jahren zu heiraten, kann Gerhard Oberthür uneingeschränkt bejahen. „Ich würde es jederzeit wieder tun“, bestätigt er. Dagegen schaut seine Frau lieber nach vorn, denn beide hätten in der Vergangenheit sehr viel mitmachen müssen. Krankheiten und finanzielle Not seien stets ihre Begleiter gewesen und trotzdem habe man sich immer aufeinander verlassen können.

15 Enkelkinder

Gesundheitliche Gründe seien es auch, weshalb sie nicht mit ihren neun Kindern und 15 Enkelkindern die Diamantene Hochzeit feiern, sondern ganz bescheiden am 31. Juli auf ihren Ehrentag anstoßen wollen.

Von Werner Brandau

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