20 Jahre Ausländerbeirat: Für ein friedliches Zusammenleben

Politisch engagiert: Resul Akdag. Fotos: Kothe

Baunatal. „Eine Interessenvertretung muss sein“, sagt Pehlül Karahan, Vorsitzender des Ausländerbeirats in Baunatal. 20 Jahre ist es her, dass der Ausländerbeirat seine Arbeit aufgenommen hat. 1993 wurde er im Heim der Nationen gegründet. Seitdem hat er in der Stadt vieles bewirkt. Mit einem parlamentarischen Abend wurde der Geburtstag im Baunataler Rathaus gefeiert.

„Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“, sagt Karahan, der seit 20 Jahren an der Spitze steht. Deshalb engagieren sie sich bei Festen ebenso wie bei politischen Diskussionen, im Bildungsforum oder am Runden Tisch gegen häusliche Gewalt. „Wir dürfen uns nicht zurückziehen, sondern müssen teilnehmen, für ein gutes Miteinander und friedliches Zusammenleben“, sagt er.

Seit 1977 lebt der 48-Jährige in Baunatal: „Wir sind heute voll integriert.“ Einen wichtigen Beitrag dazu habe stets der Austausch mit dem Magistrat und der Stadtverwaltung geleistet. Dass der Ausländerbeirat nun ein Vorschlags-, Antrags- und Rederecht im Stadtparlament hat, sieht er als Schritt in die richtige Richtung: „Das ist eine Stärkung für uns.“ Seine Vision geht weiter: Er wünscht sich die Möglichkeit der doppelten Staatsangehörigkeit und des aktiven und passiven Wahlrechts: „Mitreden und mitbestimmen können, ist wichtig für gesellschaftliche Teilhabe.“

Kudret Altindag ist seit 1994 im Ausländerbeirat. „Wir sind Fürsprecher für viele Menschen in der Stadt, die Vertrauen zu uns haben“, sagt der 37-Jährige. Für ihn sind die Sprechstunden für ausländische Mitbürger ein wichtiges Element der Arbeit, das die Chance bietet, „zwischen beiden Seiten zu vermitteln.“ Einen großen Erfolg sieht er in der Kooperation mit den Schulen. Hier habe man immer das Gespräch gesucht. „Heute gibt es viel weniger Probleme und Unruhe als früher“, sagt er.

„Viel früher anfangen“

Für Resul Akdag ist es selbstverständlich politisch und sozial engagiert zu sein. Der 53-Jährige ist Mitglied des Ausländerbeirates und Stadtverordneter in Baunatal. „Wir hätten viel früher damit beginnen sollen. Beide Seiten haben das leider vernachlässigt“, sagt er. Denn für ihn ist klar: „Auch wir können viel bewegen und einen Beitrag leisten.“ Deshalb freut es ihn umso mehr, dass man „auf Augenhöhe zusammenarbeitet“.

Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) lobt das Engagement: „Sie sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Dass die Integration weiter voran schreitet, dafür engagiert sich der Ausländerbeirat auch künftig. Eines wollen sie jedoch nicht mehr sein: Ausländer. Denn: „Wir sind hier zu Hause.“

Von Helga Kristina Kothe

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