Wanderfreunde Mönchehof feiern Jubiläum – Männer gründeten Club, heute spielen allein Frauen

90 Jahre klingen die Mandolinen

Ausflug: Diese Wanderfreunde machten sich 1923 mit ihren Instrumenten auf den Weg zur Wartburg (Hintergrund): Philipp Werner (stehend von links), Wilhelm Reinemann, August Barthel, Christian Bulle, Georg Schaub, Georg Albrecht (mit Geige), Heinrich Krohne, Wilhelm Goßmann, Konrad Schmidt, Hans Albrecht, Heinrich Albrecht und im Vordergrund von links Richard Meining, Bernhard Reinemann und Fritz Höhmann. Repro: Sommerlade

Espenau. „Die Mandoline gehört zu meinem Leben dazu“, sagt Edith Lindung. Die 70-Jährige sitzt gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Espenauer Mandolinenclubs Wanderfreunde 1922 Mönchehof im Gemeindesaal der evangelischen Kirche im Ortsteil und stimmt ihr lieb gewonnenes Zupfinstrument. Es ist die letzte Probestunde vor dem Jubliäumskonzert am Samstag, 24. März, ab 17 Uhr in der Mönchehofer Kirche.

Dann feiert der Mandolinenclub nämlich sein 90-jähriges Bestehen. „Wie viele andere Dinge hat sich auch unser Orchester verändert und weiter entwickelt“, erklärt Andrea Schmitt. Für die Vorsitzende des Mandolinenclubs ist der 90. Jahrestag Anlass, Rückschau zu halten.

Im Februar 1922 schlossen sich musikbegeisterte junge Männer zum „Mandolinenclub der Wanderfreunde“ zusammen. „Das Musizieren und Wandern gehörte in jener Zeit zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen“, weiß Schmitt. „Überall in Nordhessen wurden ähnliche Orchester gegründet. Man traf sich zu gemeinsamen Konzerten oder zum Wettstreit nach Noten.“

Die rege Vereinsarbeit der Espenauer Wanderfreunde kam allerdings in den Wirren des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen. Nach den Kriegsjahren fanden sich interessierte Musiker zusammen, um das Vereinsleben wieder aufzunehmen. Treibende Kraft waren die Brüder Georg und Heinrich Albrecht, die wöchentliche Übungsstunden einrichteten und so nach und nach mehr Zulauf bekamen.

Mitte der 50er-Jahre kamen auch Frauen und Mädchen zum Mandolinenclub. Dies waren zunächst die Töchter der Vereinsgründer und deren Freundinnen. „Unser Club ist eigentlich aus einem Familienbetrieb entstanden“, sagt Edith Lindung. Die Tochter des Gründungsmitglieds Georg Albrecht spielt seit mittlerweile 60 Jahren im Espenauer Mandolinenclub mit.

Enormen Aufschwung erlebte das Ensemble in den 70er-Jahren, als Vereinsmitglieder neue Musiker ausbildeten und die von Erich Kellner arrangierten Stücke gespielt wurden. Der hatte den Dirigentenstab 1972 nach dem Tod des Schwiegervaters Georg Albrecht übernommen.

Kellner stellte seinerzeit mit populären Musikstücken ein neues Konzept auf und bereicherte auf diese Weise das Repertoire des Mandolinenclubs. Das Konzept ging auf, wie die steigende Mitgliederzahl aktiver Musiker zeigte: Von den 36 Mitglieder waren 25 jugendliche Musiker aktiv.

„Leider sind diese goldenen Zeiten nun vorbei“, resümiert Schmitt. Viele der jungen Mitglieder verließen den Verein bedingt durch Heirat, Studium oder Terminüberschneidungen.

Ende 1994 übernahm Klaus Schwarz die musikalische Leitung des mittlerweile elfköpfigen Ensembles. „Nachwuchssorgen plagten uns während dieser Jahre mal mehr, mal weniger“, sagt Schmitt. Aktuell würden sich die elf musikbegeisterten Frauen über neue Mitspieler freuen. „Wer Lust zum gemeinsamen Musizieren hat, ist herzlich eingeladen.“ Einen ersten Eindruck könnten sich die Interessierten beim Konzert am Samstagnachmittag verschaffen. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein stehen die Mandolinenclub-Mitglieder zudem für Informationen zur Verfügung.

Von Martina Sommerlade

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