140 Jahre unter Tage: Egon Pairan erforschte den Bergbau in Ihringshausen

Unter Tage: Bergleute aus dem Ort förderten in Ihringshausen Braunkohle, hinten rechts ist Heinrich Schütz, vorn links Georg Ullrich zu sehen, die beiden anderen sind namentlich nicht bekannt.

Fuldatal. Er währte über 140 Jahre – der Bergbau in Ihringshausen. Die Geschichte dieses Industriezweiges erforschte Egon Pairan, der seit 1970 in dem Fuldataler Ortsteil lebt. Sechs Monate brauchte er, um Informationen zusammenzutragen, arbeitete teilweise auch nachts.

Herausgekommen ist eine Präsentation von gut 80 Seiten. „Das ging nur, weil ich in dem Metier groß geworden bin.“ Egon Pairan ist Bergbauingenieur. Dies wussten Mitglieder des Freundeskreises historisches Ihringshausen, die letztlich den Anstoß für seine Forschungen gegeben hatten, wie er sagt. Nachdem sie ihn ansprachen, „bin ich eingestiegen“.

Kurzclip: Egon Pairan über den Bergbau in Fuldatal

Schnell merkte er, „es gibt nicht viel“. Aber es gab das Archiv des Freundeskreises, eigene Studienunterlagen und Fachliteratur sowie ehemalige Kollegen und Fuldataler Bürger, die ihre Bilder und Aufzeichnungen zur Verfügung stellten.

Wenn Egon Pairan erzählt, wird der Bergbau in Ihringshausen wieder lebendig. Dies erlebten unlängst auch 250 Besucher einer Veranstaltung des Freundeskreises. Natürlich hat der das Steigerlied parat. Er weiß, dass der Gruß der Bergleute „Glück auf“ seit etwa 1650 gebräuchlich ist und einen tief religiösen Hintergrund hat. So versammelten sich die Steiger und Bergleute auch in Ihringshausen jeden frühen Montagmorgen zur gemeinsamen Andacht, um sich dann „vor der Anfahrt und nach der Ausfahrt“ mit „Glück auf“ zu grüßen.

Pairan kann auf eine umfassende Ausbildung und Tätigkeit in verschiedenen Bergbaubereichen im In- und Ausland zurückblicken. Er kennt die örtlichen Verhältnisse aus seiner Zeit als Bauamtsleiter der Gemeinde Fuldatal. „Da hatte ich viel mit Bergsetzungen zu tun.“ Wenn der mit Stollen durchsetzte Grund nachgab.

Werksgelände: Diese historische Aufnahme zeigt das Hessische Braunkohle- und Ziegelwerk Ihringshausen. 1962 wurde der Schornstein, das Wahrzeichen des Ortes, gesprengt, 1963 endete die Braunkohleförderung am Möncheberg. Repros: Hobein

Neben den nordhessischen Kohlevorkommen am Meißner, am Hirschberg bei Großalmerode, an der Söhre, im Habichts- und Reinhardswald und rund um Borken war das Vorkommen in Ihringshausen und den angrenzenden Gemarkungen Kassel und Wolfsanger ein bedeutender Standort, sagt Pairan. Braunkohle wurde in Ihringshausen ab 1820 bis zum Jahr 1963 vorwiegend unter Tage, aber auch im Tagebau abgebaut. Danach galt das Abbaugebiet als ausgekohlt, die Braunkohle war abgebaut.

Hintergrund: 15 Millionen Tonnen Braunkohle

Der Bergbau begann am Möncheberg, an der Stadtgrenze zu Kassel, mit den Ziegel- und Braunkohlewerken und der späteren Aktien-Gesellschaft Möncheberger Gewerkschaft. Der Bildhauer Werner Henschel hatte den Mut- und Schürfschein auf Braunkohle dort von der Kurfürstlichen Ober-Rentkammer am 18. November 1820 erhalten. Über verschiedene Eigentümer besitzen zuletzt die Hessischen Braunkohlen- und Ziegelwerke GmbH seit 1941 die Abbaurechte, sagt Pairan.

Am 3. November 1963 wurde die letzte Braunkohle in Ihringshausen gefördert. Bereits am 28. Februar 1962 wurde der Schornstein des Braunkohlewerkes, das Wahrzeichen von Ihringshausen, gesprengt. Er hieß im Volksmund „alter Bursche“.

Rund 15 Millionen Tonnen Braunkohlen wurden bis dahin in Ihringshausen abgebaut. Davon waren es allein sechs Millionen Tonnen im Tagebau.

Der Bergbau in Ihringshausen, aber auch in Kassel, hatte eine große Bedeutung für die industrielle Entwicklung der Orte, betont Pairan. In Ihringshausen stieg die Einwohnerzahl von 714 im Jahr 1871 auf 2650 Einwohner im Jahr 1925.

Der Wohnungsbau an der Dörnbergstraße, Auf der Treber und an der Steinernen Brücke sorgte dafür, dass die Bergleute mit ihren Familien entsprechende Unterkünfte bekamen. Das Verwaltungsgebäude an der Niedervellmarschen Straße ist ein weiteres Zeugnis aus der Ihringshäuser Bergbaugeschichte. (phk)

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