Großgemeinde ab 1. Januar 1964

Vor 50 Jahren entstand Baunatal

Dreifacher offizieller Akt: Mit Bussen wurden Einwohner der ehemaligen Dörfer an die jeweiligen Ortsausgänge gefahren. Hier das Bild aus Kirchbauna.

Baunatal. Ein halbes Jahrhundert ist es her, da wurde in Nordhessen ein neuer Ort geboren: Baunatal. Die bis dahin noch selbstständigen Dörfer Altenbauna, Altenritte und Kirchbauna schlossen sich am am 1. Januar 1964 zusammen.

Die neuen Ortsschilder wurden am Neujahrstag während drei offizieller Veranstaltungen montiert.

Mehrere Hundert Einwohner verfolgten in den neuen Ortsteilen der Großgemeinde den dreifachen Austausch der Ortsschilder. Sechs Omnibusse brachten die Bevölkerung im Pendelverkehr zu den Ortsein- und -ausgängen. Jugendliche holten die neuen Ortstafeln von den Bürgermeisterämtern. Das Musikkorps des damaligen Grenzschutzkommandos Mitte umrahmte den Festakt.

Der Zusammenschluss war auch der neuen Situation nach der Ansiedlung des VW-Werkes 1958 in Altenbauna geschuldet. Das Dorf hatte eine Gemarkung von 400 Hektar, allein 100 Hektar waren durch das VW-Werk bebaut, in dem bereits 10 000 Beschäftigte arbeiteten. Eine weitere Produktionshalle war im Bau.

Altenbauna drohte aus allen Nähten zu platzen. Denn nach dem Bau des VW-Werkes mussten auch noch Wohnungen, Schulen, Straßen, Kanalisation, Wasserwerk sowie Kultur- und Sporteinrichtungen gebaut werden. Altenbauna „wäre bei der geringen Fläche gar nicht in der Lage, diesen Bedürfnissen gerecht zu werden“, meinte seinerzeit denn auch Landrat Josef Köcher. Die Idee, sich mit den beiden Gemeinden Kirchbauna und Altenritte zu vereinen, sei „einfach von selbst gekommen“. Die neue Großgemeinde verfügte über eine Fläche von 1128 Hektar. Im neuen Baunatal wohnten 4000 Einwohner.

Der große Moment: Das alte Ortsschild der Gemeinde Altenritte wird durch das neue der Gemeinde Baunatal ausgetauscht. Mit dabei Kassels Oberbürgermeister Dr. Karl Branner (ab 2. von links), der hessische Staatssekretär Dr. Schubert, Landrat Josef Köcher, Regierungspräsident Alfred Schneider, hinter ihm Bürgermeister Hans Neusel (Obervellmar) und Kassels SPD-Bundestagsabgeordneter Holger Börner. Archivfotos: hna

Mitte Oktober 1963 hatten die Gemeindeparlamente der drei Dörfer jeweils einstimmig für den Zusammenschluss votiert. Zuvor waren jeweils Bürgerversammlungen abgehalten worden. Auch die Landesregierung stimmte der Fusion zu. Und nicht nur das. Aus Wiesbaden hieß es, der Zusammenschluss sei ein Vorbild für die „in Hessen angestrebte vernünftige Raumplanung, die hier eine Einsicht gefunden habe, wie man sie sich leider noch oft vergeblich“ wünsche.

Zum 1. Januar 1964 endeten die Amtszeiten der SPD-Bürgermeister Adam Diegler (Altenbauna), Kaspar Reinhardt (Altenritte) und Wilhelm Diegeler (Kirchbauna). Nach Neuwahlen Mitte Februar wählte die Gemeindevertretung Ende April Horst Werner (SPD), zuvor persönlicher Referent des hessischen Justizministers Lauritz Lauritzen, zum ersten Bürgermeister des neuen Baunatals.

Von Michael Schräer

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.