Mit 24 Jahren Hubschrauber fliegen

Dominique Krannich ist der jüngste Pilot der Fliegerstaffel in Fuldatal

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Am Einstieg eines Eurocopters 135: Dominique Krannich ist der jüngste Pilot der Fliegerstaffel in Fuldatal.

Fuldatal. Die Aufgabe an den Flugschüler hört sich einfach an: Zum ersten Mal soll er allein den Hubschrauber im Schwebeflug auf der Stelle halten. „Das ging fünf Sekunden gut“, sagt Dominique Krannich. Dann musste der Fluglehrer eingreifen.

Inzwischen beherrscht der 24-Jährige dies und weit mehr aus dem Effeff. Er ist der jüngste Pilot der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuldatal, was sowohl sein Alter betrifft als auch seine Dienstzeit, die in Ihringshausen am 24. Juni begann.

Der Weg dorthin führte Krannich, der aus Altenfeld in Thüringen stammt, nach dem Abitur zunächst zur Bundeswehr. „Findungsphase“ nennt er diese Zeit, in der er sich für die Bundespolizei und nach drei Jahren Ausbildung und Studium (Abschluss Diplom Verwaltungswirt) für die Fliegerei entschied.

Im Sommer 2011 bestand er das Auswahlverfahren für Piloten, das aus drei Teilen besteht. Einem ersten mit zahlreichen Tests in Mathe und Physik - „hatte ich als Leistungskurse“ - , Fachenglisch, Gesprächsführung. Psychologen prüften die Persönlichkeit des Kandidaten.

In einem weiteren Teil wurde seine körperliche Verfassung auf Herz und Nieren überprüft. Und dann gab es noch die Praxis, in der sich der Kandidat bewähren musste.

Im Hubschrauber mit Doppelsteuerung für Schüler und Lehrer sollte Krannich zunächst die Pedale für den Heckrotor übernehmen. Mit dem werde die Richtung gehalten. „Damit hat man schon gut zu tun.“ Dann war der Blattverstellhebel (Pitch) mit der linken Hand zu bedienen. Über diesen gewinnt oder verliert der Hubschrauber an Höhe.

Schließlich durfte der Schüler zunächst ausschließlich den Steuerknüppel (Stick) mit seiner Rechten übernehmen und musste mit Feingefühl die Flugrichtung vorgeben. Schließlich waren Pedale, Pitch und Stick zu koordinieren, mit erwähntem Ergebnis.

Was kein Wunder sei, betont Pilot Christian Ohl, Pressesprecher der Fliegerstaffel. Der Hubschrauber sei ein instabiles System, so als „würde man ein Ei auf die Spitze stellen und halten“.

Dominique Krannich meisterte schließlich alles und somit das Auswahlverfahren. Und wurde ab Januar 2012 bei der Luftfahrerschule der Bundespolizei in St. Augustin ausgebildet. Nach 45 Flugstunden kam der erste Alleinflug, das war „ein tolles Erlebnis“, sagt der 24-Jährige. Bei der Fliegerstaffel sitzt die ersten 50 Flugstunden ein weiterer Pilot an seiner Seite. In zwei bis drei Monaten wird Dominique Krannich einen Eurocopter EC 135 alleinverantwortlich fliegen.

In der nächsten Folge stellen wir eine Einstellungsberaterin der Bundespolizei vor.

Hintergrund

Ausbildung kostet 300 000 Euro

Die Ausbildung zu einem Hubschrauberpiloten bei der Bundespolizei ist teuer. Christian Ohl, Pressesprecher der Fliegerstaffel Fuldatal, geht von 300 000 Euro aus, denn es fallen zum Beispiel allein 200 Flugstunden an. Daher seien die Kriterien des Bewerbungsverfahrens auch so streng. Körperliche Fitness - eine kleine Abweichung an der Wirbelsäule ist ein Ausschlusskriterium -, psychische Belastbarkeit und technisches Verständnis - „unsere Piloten haben die höchste Tauglichkeitsklasse, das ist Jet-Piloten-Standard“, sagt Ohl.

So wird am Ende des Bewerbungsverfahrens eine Rangfolge aller Schüler erstellt, die bestanden haben. Im letzten Jahrgang waren von 70 Schülern 15 für die Bundespolizei geeignet. Die dann folgende Ausbildung wird vor dem Luftfahrtbundesamt abgeschlossen mit der zivilen Lizenz für Berufspiloten (Hubschrauber). (mic)

Von Michael Schräer

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