Edwin Thiel aus Vellmar feierte am gestrigen Sonntag seinen runden Geburtstag in Bad Kissingen

Mit 100 Jahren noch alles im Griff

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100. Geburtstag: Edwin Thiel, der seit 1974 in Vellmar lebt, blickt auf ein langes, arbeitsreiches Leben zurück.

Vellmar. „Lächeln“, stellt Edwin Thiel klar, „tue ich nicht. Ich bin ein ernster Mensch.“ Und plötzlich tut er es doch. Ganz unerwartet lächelt Edwin Thiel, sehr sympathisch und freundlich. Ernst sein und lächeln schließen sich, auch bei Edwin Thiel, doch nicht aus. Gestern, am 21. April, feierte der alte Herr seinen 100. Geburtstag.

Dass Edwin Thiel 100 Jahre alt ist, kann man nicht glauben. Witzig, schlagfertig, ironisch ist der Senior, und über Politiker kann er sich richtig gut aufregen.

„Richtig hart arbeiten“

„Denken allein reicht nicht“, erklärt er nachdrücklich. „Man muss auch richtig und man muss analytisch denken. Außerdem muss man fleißig sein, aufmerksam und richtig hart arbeiten.“ Das hat Edwin Thiel selbst sein ganzes Leben lang getan.

Geboren wurde er in Eisenach/Thüringen, woher der Vater stammte. Die Mutter war Schweizerin. Edwin Thiel kommt aus einer traditionsreichen Unternehmerfamilie, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Auf die lange Firmengeschichte ist Edwin Thiel stolz. „Die muss ich Ihnen erläutern, damit Sie den Hintergrund kennen.“ Darauf besteht der Senior.

Alles begann in Ruhla, einem Ort bei Eisenach. Die Vorfahren starteten mit Metallteilen für Pfeifen, später wurden es Uhrenschutzkapseln, dann Taschen- und Armbanduhren sowie Präzisionswerkzeuge, die die Firma Gebrüder Thiel GmbH herstellte.

Sein Abitur machte Edwin Thiel in einem Internat im Engadin. „In die Schweiz hatte mich meine Mutter wegen meiner schlechten Gesundheit geschickt“, erzählt der Jubilar. „Dann machte ich in Pforzheim eine kaufmännische Lehre, anschließend studierte ich in Frankfurt/Main Wirtschaftswissenschaften“, sagt er. Seine Frau Elfriede heiratete er 1940, sie starb 1947, als das kinderlose Ehepaar bereits im Westen war.

Ab 1948 baute Edwin Thiel dann in Sand südlich von Kassel seine Firma für Präzisionswerkzeuge auf. Dort lernte er auch „Fräulein Brier“ kennen, mit Vornamen Lieselotte, die Edwin Thiel 1950 heiratete.

„1974 verkaufte ich meine Firma, und zwar an meinen wütendsten Konkurrenten“, erzählt der Geschäftsmann schmunzelnd. Dann zog er mit seiner Frau nach Vellmar. Die Erinnerung an Lieselotte, die 1999 starb und mit der er viele schöne Reisen in die Karibik machte, lässt den alten Herrn bitterlich weinen.

Gesund und fit

„Die harte Arbeit, auch die Gartenarbeit, mein früheres Grundstück war 2700 Quadratmeter groß, hat mich gesund und fit erhalten“, ist der Senior überzeugt.

Fährt er noch Auto? „Ja sicher“, kommt es spontan und fröhlich. „Im letzten Jahr, mit 99, habe ich mich von einem Verkehrspsychologen untersuchen lassen“, erzählt er. „Der hat bescheinigt, dass ich absolut fahrtauglich bin. Das Auto gibt mir Freiheit.“

Nach Bad Kissingen, wo Edwin Thiel seinen Geburtstag mit Freunden und Verwandten feierte, ist er natürlich mit dem Auto gefahren. „Ich nehme mir Zeit“, sagte er gut gelaunt vor Reiseantritt. „Zwei Stunden brauche ich heute, na ja, früher nur eineinhalb.“

Von Sabine Oschmann

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