Unterstützerkreis Vellmar hilft Asylbewerbern ehrenamtlich

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Zur Orientierung: Oliver Reza Ulloth (vorn, von links), Regine Braunen, Oleksandr Kulykov (hinten, von links) und Enver Gakovic haben auf einer Infotafel alles Wichtige für die Bewohner der Unterkunft zusammengestellt.

Vellmar. Viele Flüchtlinge, die nach Nordhessen kommen, haben ein schlimmes Schicksal hinter sich. Um ihnen den Einstieg in das neue Leben zu erleichtern haben sich Unterstützergruppen gebildet.

Sie kommen aus Syrien, Somalia, Nigeria und vielen anderen Ländern und haben zum Teil schlimme Schicksale erlebt: Asylbewerber im Landkreis Kassel. Neben der Eingewöhnung in die neue Umgebung erwarten sie weitere Herausforderungen, wie zum Beispiel Behördengänge und Arztbesuche. Um den Flüchtlingen die Integration zu erleichtern, haben sich Unterstützerkreise gebildet, deren Mitglieder sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren.

Oliver Reza Ulloth aus Vellmar ist einer von ihnen. Er kümmert sich zusammen mit zwölf weiteren Ehrenamtlichen um die 35 Asylbewerber im ehemaligen Hotel Rosengarten, das zur Gemeinschaftsunterkunft umfunktioniert worden ist. „Die Schicksale der Leute, die hierherkommen, sind sehr schlimm“, sagt Ulloth. „Es kann nicht sein, dass diesen Menschen nicht geholfen wird und sie auf sich allein gestellt sind.“ Natürlich seien die Sprachbarrieren groß, man könne sich aber mit Englisch meistens gut verständigen. „Zur Not unterhält man sich einfach mit Händen, Füßen und Mimik.“

Der Unterstützerkreis kümmert sich neben Deutschkursen, Computerseminaren und Nachhilfeunterricht auch um abwechslungsreiche Freizeitangebote für die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Rosengarten. Montags steht für sie eine Theatergruppe auf dem Programm und fünfmal die Woche können sie zum Sport in die Freestyle-Halle in Kassel gehen.

„Wir möchten, dass die Asylbewerber etwas von hier mitnehmen und integriert werden, auch wenn sie oft nicht lange im Land bleiben“, sagt Ulloth. „Jede schöne Erinnerung ist für diese Menschen wichtig.“

Enver Gakovic, ebenfalls vom Unterstützerkreis, sieht die Situation ähnlich: „Auch wenn viele Flüchtlinge oft wieder abgeschoben werden, erinnern sie sich für immer daran, dass ihnen in Deutschland jemand geholfen hat.“

Für das Zurechtfinden in neuer Umgebung hat der Unterstützerkreis eine Tafel in der Gemeinschaftsunterkunft aufgehängt, auf der alles Wichtige zu finden ist. Notrufnummern, ein Stadtplan, eine Liste von Ärzten und vieles mehr. „Als die Gemeinschaftsunterkunft geöffnet wurde, war alles noch sehr unstrukturiert“, sagt Regine Braunen vom Unterstützerkreis. „Als Erstes haben wir einen Stadtplan aufgehängt und mit der Zeit hat sich die Tafel mit vielen weiteren Infos gefüllt.“

Weitere Unterstützerkreise im Landkreis Kassel gibt es in Kaufungen und Wolfhagen.

Info: Wer sich bei dem Unterstützerkreis Vellmar engagieren möchte, kann sich bei Oliver Reza Ulloth unter Tel. 01 76 / 24 28 29 78 melden.

Hintergrund: Unterkünfte komplett belegt

Dies sind laut Kreisverwaltung die aktuellen Zahlen: 524 Flüchtlinge leben im Kreis Kassel. Die Gemeinschaftsunterkünfte sind mit 306 Flüchtlingen (218 leben in Privatunterkünften) komplett belegt. Das betrifft die Pommernanlage in Wolfhagen (95 Plätze), das ehemalige Hotel Rosengarten in Vellmar (48 Plätze) und das frühere Freizeitheim Rotte Breite bei Nieste (34 Plätze). Außerdem gibt es noch zwei privat geführte Gemeinschaftsunterkünfte in Fuldatal (105 Plätze) und Helsa (24 Plätze). Um die neuen Asylbewerber auffangen zu können, wird der Kreis bis Dezember weitere 95 Plätze in der Pommernanlage schaffen.

Seit 2009 hat der Kreis mehr als 6,2 Millionen Euro an Eigenmitteln für die Betreuung der Asylbewerber übernommen. (tzi)

Von Theresa Ziemann

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