Fliegerstaffel in Fuldatal und Hubschrauber Christoph 7

Fuldatal. Als Marc Gerowitz im April 2011 zum ersten Mal auf den Pilotensitz des Rettungshubschraubers Christoph 7 in Kassel stieg, war er sich der besonderen Verantwortung bewusst. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

„Jeden Tag geht es wirklich um was“, sagt der 39-Jährige. Und: „Die Belastung ist relativ groß, sie führt aber zu hoher Berufszufriedenheit.“

An den ersten Einsatz kann sich der gebürtige Gladbecker noch genau erinnern und an die Nervosität, als der Pieper losging. Das Luftrettungszentrum auf dem Dach des Rot-Kreuz-Krankenhauses wurde gerade umgebaut, also startete Gerowitz mit Notarzt und Rettungssanitäter von der Bundespolizei-Fliegerstaffel. Sieben Minuten später landete er auf einer Wiese in Fuldabrück. Es war eine medizinische Hilfeleistung, „kein spektakulärer Einsatz“.

Hier sehen Sie Videos von Christoph 7:

-Video 1 -Video 2 -Video 3

Diese gab es inzwischen zahlreich. Oft waren es Unfälle auf der Autobahn. Bei einem sei ein Lkw-Fahrer enthauptet worden, „das vergisst man nicht so schnell“. Auch wenn Kinder beteiligt sind, sei die Belastung für die Luftretter größer. „Dann ist noch mehr Professionalität gefragt, man darf sich nicht zu etwas hinreißen lassen“, sagt der zweifache Vater. Brenzlige Situationen zu vermeiden, sei das erste Gebot der Fliegerei, „Harakiri-Aktionen sind nicht angesagt“. Diese entstehen in erster Linie an engen, unbekannten Landeplätzen. Oder wenn beim Anflug Schaulustige den Hubschrauber sehen und genau dort zusammenlaufen, wo er eigentlich landen wollte. Dann heißt es durchstarten.

Generell gehe es darum, nicht zu weit weg von der Unfallstelle runterzugehen, aber auch nicht so nah, dass durch den Rotorabstrahl zum Beispiel Gegenstände oder Glassplitter aufgewirbelt werden. Dadurch könnten Opfer und auch Rettungskräfte noch mehr oder überhaupt erst verletzt werden.

Anflug und Landung seien die fliegerische Entscheidung des Piloten. Am Boden sei das Team gefragt. Maßgabe: „Maximale Versorgung mit zur Verfügung stehenden Mitteln.“ Dabei sei zu klären, reicht der Sprit für den Flug zur Spezialklinik, bei Verbrennungen beispielsweise nach Hannover? Dorthin braucht Christoph 7 von Nordhessen aus 30 Minuten. Ein Rettungswagen aber zwei Stunden. „Das ist der klare Vorteil des Hubschraubers“, sagt der Pilot.

Bilder vom Rettungshubschrauber

Rettungshubschrauber Christoph 7

Den reizen die Rettungseinsätze. Diese bringen zwar wenig Flugzeit im Vergleich zu Polizeiflügen über größere Entfernungen. „Aber mehr kritische Flugphasen durch viele Starts und Landungen“, sagt Gerowitz. Und es gebe ständig neue Situationen und „positive Rückmeldungen“, wenn Menschen gerettet wurden. Gerowitz: „Man sieht, man macht etwas Sinnvolles, das motiviert zusätzlich.“

In der nächsten Folge geht es um die Angestellten der Fuldataler Bundespolizei.

Von Michael Schräer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.