Experten: Energetische Sanierung aller Altbauten im Landkreis Kassel würde rund 3,1 Milliarden Euro kosten

Jeder könnte 310 Liter Öl sparen

Idyllisch, aber aus energetischer Sicht selten perfekt: Ältere Wohngebäude - nicht nur Fachwerkhäuser - haben beim Energiesparen oft Nachholbedarf. Unser Foto zeigt Häuser im Stiftsbezirk von Oberkaufungen. Archivfoto: Stier

Kreis kassel. Bei der Sanierung von Altbauten im Landkreis Kassel gibt es im Hinblick auf die Energiespar-Effekte einen gigantischen Nachholbedarf. Um allein die bis Ende der 1970er-Jahre errichteten Wohngebäude zwischen Bad Karlshafen und Baunatal, Helsa und Wolfhagen auf das für Neubauten vorgeschriebene Niveau zu bringen, wären Investitionen von rund 3,1 Milliarden Euro erforderlich.

Das haben die Mitarbeiter des auf kommunale Fragen spezialisierten Pestel-Instituts in Hannover zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen berechnet. Auftraggeber der Untersuchung sind der Deutsche Mieterbund, die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau.

Wie riesig die Summe ist, zeigen Vergleiche: Für die 3,1 Milliarden Euro könnten 12 440 Einfamilienhäuser errichtet oder 155 000 Autos der unteren Mittelklasse angeschafft werden. Würden die Energiespar-Vorschriften für Neubauten bei sämtlichen bestehenden Wohngebäuden angewandt, wären nach den Expertenberechnungen 310 Liter Heizöl pro Kopf und Einwohner weniger zum Heizen notwendig.

Bei zuletzt knapp 237 000 Bewohnern käme man im Landkreis Kassel auf einen Minderverbrauch von 73 470 000 Litern. Nimmt man einen Jahresverbrauch von 3000 Liter an, könnten mit der eingesparten Menge Heizöl 24 490 Einfamilienhäuser beheizt werden.

Würde die energetische Sanierung sämtlicher Altbauten umgesetzt, hätte dies nach den Berechnungen der Experten auch einen erheblichen Effekt für den Arbeitsmarkt. Nach Angaben von Institutsmitarbeiter Matthias Günther könnten in den kommenden 30 Jahren gut 1030 Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft geschaffen werden.

Die Experten sind sich allerdings sehr wohl der Tatsache bewusst, dass Theorie und Praxis auseinanderklaffen. Um Hausbesitzern den nötigen Anstoß für eine energiesparende Sanierung zu geben, seien dringend zusätzliche Anreize des Staates notwendig.

Der Bund müsse für die Fördergelder der Kreditanstalt für Wiederaufbau eine feste Zusage geben, die für mehrere Jahre gelte. „Hausbesitzer, die befürchten müssen, dass die Fördertöpfe leer laufen, bevor die Arbeiten abgeschlossen sind, fangen erst gar nicht mit der Sanierung an“, sagt Günther. HINTERGRUND/

DIE  METHODE

Von Peter Ketteritzsch

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