Ulrike Neyer positioniert sich selbst auf dem Arbeitsmarkt – mit unkonventionellen Mitteln

HNA-Markt: Jobsuche einmal anders

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Ulrike Neyer geht in die Offensive: Mit ungewöhnlichen Mitteln wie Flyern und Werbung auf ihrem Fahrzeug wirbt sie für sich, auf der Suche nach einer Teilzeitstelle.

Ulrike Neyer möchte arbeiten. Nicht unbedingt in Vollzeit, denn das schafft sie wegen ihrer zwei Hunde noch nicht. Abgeben möchte sie die beiden aber nicht: „Hat man einmal Verantwortung übernommen, sollte man diese auch dann tragen, wenn es schwierig wird.“

Gerne würde sie in Teilzeit arbeiten, 20 bis 25 Wochenstunden wären gut. In Zukunft auch mehr, sobald sich ihre 14-jährige Tochter in der Ausbildung befindet. Doch ist es schwer für die gelernte Einzelhandelskauffrau aus Lohfelden, einen Job zu finden. Häufig sieht sie sich mit Vorurteilen konfrontiert. Mit 47 Jahren sei sie bereits „geformt“ und nicht mehr in der Lage, neue Dinge zu lernen. Auch seien Menschen ihres Alters öfter krank und weniger belastbar. Sie sei überqualifiziert und hätte zu hohe Gehaltsvorstellungen.

Sie sieht sich als Allrounderin

„Alles Quatsch“, sagt Neyer, die solche vorgeschobenen Gründe nicht gelten lassen will. Sie weiß, dass man auf dem Arbeitsmarkt heute flexibel sein muss. Und das ist sie. Sie hat in den vergangenen Jahren jeden Job angenommen, wegen einer betriebsbedingten Kündigung ist sie nun wieder auf Arbeitssuche. „Oft soll man erstmal einen Tag unbezahlt zur Probe arbeiten. Viele sehen darin Ausbeutung, ich begreife es als Chance.“ Ulrike Neyer ist sich für keinen Job zu schade. „Ich bin ein echter Allrounder“, sagt Neyer über sich, die sich in der Rolle als „Mädchen für alles“ wohlfühlt. Nicht zwingend muss sie daher im kaufmännischen Bereich arbeiten, bringt auch weitere Qualifikationen mit. Sie spricht Englisch, kennt sich im Lager und Versand aus und hat die Berufskraftfahrerqualifikation erworben. Neyer bildet sich fort, wann immer sie kann.

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Als Hobby betreibt sie Ahnenforschung, womit sie Erfahrung in langwieriger und gewissenhafter Recherche mitbringt. Vor allem ist sie freundlich, offen und verantwortungsbewusst, zudem engagiert und motiviert. Diese Motivation zu arbeiten führt dazu, dass sich Ulrike Neyer nicht nur auf die Agentur für Arbeit verlassen will. Hier ist sie als arbeitssuchend gemeldet.

Große Eigeninitiative

„Im Bürobereich gibt es wenige Teilzeitstellen, dazu immer wieder lange Bearbeitungs- und Wartezeiten“, schildert sie ihre Erfahrungen. Darum hat sie sich entschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie verschickt bis zu drei Bewerbungen pro Tag, schaltet Anzeigen mit Arbeitsgesuchen und geht jetzt sogar noch einen Schritt weiter. Sie hat sich Flyer drucken lassen, auf denen ihre Vorstellungen und Qualifikationen zusammengefasst sind. „Die werde ich in den Gewerbegebieten in und um Kassel verteilen, auch wenn das Klinkenputzen bei Bürojobs eher unüblich ist.“ Sogar in der Heckscheibe ihres Autos hängt ihr Stellengesuch. „Meinem Mann war das zunächst peinlich, doch aus dem Bekanntenkreis habe ich nur positive Resonanz auf die Idee erhalten“, sagt Neyer.

Offensiv aber sympathisch bewirbt sich die 47-Jährige nun selbst und bietet ihre Arbeitskraft an. „Will man im Leben etwas erreichen, muss man sich selbst darum kümmern. Es fällt einem nichts in den Schoß“, lautet Ulrike Neyers Erkenntnis.

Von Per Bergholter

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