Jugendgerichtshilfe: Vor dem Richter nicht allein

Hinter Gittern: Haben sich junge Straftäter ein besonders schweres Delikt zu Schulden kommen lassen, droht auch ihnen eine Haftstrafe. Im südhessischen Rockenberg (Foto) steht ein Jugendgefängnis. Foto: dpa

Kreis Kassel. Die Zahl der Jugendlichen, die alljährlich einen Termin bei der Jugendgerichtshilfe des Landkreises Kassel bekommen, ist seit 1973 relativ konstant. 1000 junge Leute zwischen 14 und 21 Jahren geraten pro Jahr im Kreis mit dem Gesetz in Konflikt.

Sie finden sich dann bei einem der sechs Sozialarbeiter der Beratungsstelle wieder.

Verändert haben sich im Lauf der Jahre die Schwerpunkte der Straftaten, wie Peter Henke und seine Kollegin Janin Schreiber sagen. Zwar reicht die Palette auch heute noch vom Schwarzfahren und Ladendiebstahl bis hin zu Mord. Doch hat in der jüngsten Zeit ein Delikt überproportional zugenommen: strafbare Handlungen im Internet.

Die, so weiß Henke, werden gerade von Jüngeren oftmals aus Unkenntnis begangen. Allzu leichtfertig würden in der heutigen Zeit Bilder ins Internet gestellt oder Beleidigungen per Handy veröffentlicht, die den Bestand einer Straftat erfüllten. Dann fänden sich die jungen Leute erst bei der Jugendgerichtshilfe und später vor dem Jugendrichter wieder.

Die Mehrzahl ihrer Klientel gehöre nicht zur Gruppe der Intensivtäter, sagt Janin Schreiber. Wer in jungen Jahren wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein oder Ladendiebstahl vor Gericht komme, habe keinesfalls automatisch eine kriminelle Karriere vor sich.

Wobei die Sozialarbeiter auch mit solchen Fällen konfrontiert werden. Mehrfachtäter, bei denen familiäre Strukturen weggebrochen sind und die bereits in etlichen Heimen untergebracht waren, machen allerdings nur sechs Prozent bei der Jugendgerichtshilfe des Landkreises aus. „Zu diesen Jugendlichen finden auch wir nur schwer Zugang. Eltern existieren praktisch keine mehr“, bringt Schreiber die Probleme auf den Punkt.

In der überwiegenden Zahl der Fälle verlaufen die Kontakte der Sozialarbeiter mit den Jugendlichen jedoch anders ab, sagt Henke. Nachdem sich über die Persönlichkeitsstruktur der jungen Straftäter ein Bild gemacht wurde, unterbreitet die Jugendgerichtshilfe bei der Verhandlung einen Vorschlag, was aus pädagogischer Sicht als Strafmaß sinnvoll ist. „Dem wird in aller Regel auch gefolgt“, spricht Henke an dieser Stelle von einer guten Zusammenarbeit zwischen der Justiz und seinen Kollegen.

Das heißt, je nach Schwere ihres Vergehens kommt auf die jungen Leute ein Arbeitswochenende ohne Bezahlung zu, oder ein Jugendarrest. Der liegt zwischen einem Wochenende und vier Wochen. In bestimmten Fällen wird auch eine Geldbuße ausgesprochen, die in den Täter-Opfer-Ausgleich fließt. Bei Kapitalverbrechen beträgt das Höchstmaß im Jugendstrafrecht 15 Jahren Gefängnis.

Von Peter Kilian

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