Jugendtraum aus Plastik

Oberkaufunger restaurierte amerikanischen Strandbuggy

Männertraum: Die Sportauspuffanlage des Deserter GT ist nicht nur ein Ohrenschmaus, sondern auch ein echter Hingucker.

Kaufungen. „Eigentlich wollte ich mir einen Porsche 911 kaufen“, sagt Dirk Rosen, „aber da hat meine Frau interveniert, weil noch was an unserem Haus gemacht werden musste.“ Also einigten sich der heute 50-Jährige aus Oberkaufungen und seine Frau auf einen Kompromiss: erst das Eigenheim, dann ein Spaßauto.

„Und so konnte ich mir dann zumindest noch einen kleinen Jugendtraum erfüllen“, sagt Rosen schmunzelnd. Dieser Traum zählt auf Deutschlands Straßen zu den echten Exoten: ein Deserter GT aus den Vereinigten Staaten. Der Strandbuggy hinterlässt 275 Millimeter breite Reifenspuren auf dem Asphalt, hat weder Türen noch Dach und leistet bei nur 600 Kilogramm Gewicht durchaus rasante Fahrwerte. Schließlich schlummern in dem Vierzylinder-Boxermotor mit der wuchtigen Sportauspuffanlage etwa 65 Pferdestärken, „es könnten auch etwas mehr sein“, sagt Dirk Rosen augenzwinkernd.

Der optisch an ein großes Spielzeugauto erinnernde Oldtimer, Baujahr 1977, stammt offiziell vom US-Hersteller Dearborn. Genau genommen besteht das luftige Gefährt jedoch aus verschiedenen Einzelteilen zahlreicher Fahrzeugmodelle.

„Basis ist ein um 273 Millimeter gekürztes VW-Käfer-Chassis, die Scheinwerfer sind vom Mini, die Frontscheibe vom Renault Dauphine, die Rückleuchten kommen vom 356er Porsche und die Blinker vom alten VW-Bus“, erklärt der Familienvater die Zusammensetzung seines Lieblings. Außerdem stecke viel Eigenkreativität in dem Auto, sagt Rosen, wie das von ihm entworfene Armaturenbrett oder die Effektlackierung, die je nach Sonneneinstrahlung das Orange auf der glasfaserverstärkten Kunststoffkarosserie sich verändern lässt.

Bereits in jungen Jahren habe er an zahlreichen Käfern getüftelt, erzählt Rosen. Dann habe er der Familie zuliebe fast 20 Jahre lang seine Autoleidenschaft ruhen lassen, bevor ihm der Wunsch nach einem Porsche gekommen sei. Stattdessen habe er 2009 den heute makellosen Buggy in einem sehr bedauerlichen Zustand gekauft und ihn binnen neun Monaten vom Edelstahl-Überrollbügel bis zu den wuchtigen Reifen einmal komplett restauriert.

Viele Deserter GT sind hierzulande nicht zugelassen. Dirk Rosen schätzt, dass es 20 bis 30 Stück sein dürften, „vom Zustand her gehöre ich aber sicherlich zu den Top fünf“, sagt er stolz. Selbst der TÜV-Gutachter sei bei der Zulassung derart fasziniert von dem seltenen Prüfmodell gewesen, dass er ihm die Plakette beinahe schon vor der Abnahme aufgeklebt hätte, erinnert sich der Schrauber lachend.

Auch wenn der Strandbuggy mit Tempo 140 nicht die Endgeschwindigkeit eines Porsche hat – in Sachen Exklusivität stellt das Lifestyle-Auto selbst die Supersportler aus Zuffenhausen spielend in den Schatten.

Von Sebastian Schaffner

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