Fuldataler Schülerinnen absolvieren Babykurs, um Verantwortung zu lernen

Zu jung für eigene Kinder

Gefahren: Katharina Rolka (von links) mit der alkoholkranken Puppe, Sigrid Malirsch zeigte ein gesundes Baby und Lisa Strube ein drogenabhängiges Kind.

Fuldatal. „Ich hätte nie gedacht, dass Babys so hysterisch schreien können“, sagt Chantale Häupl und schaut auf die Puppe in ihren Armen. Die 15-Jährige besucht die neunte Klasse der Gesamschule Fuldatal und nahm mit 13 Mitschülerinnen an einem Projekt des Sozialdienstes katholischer Frauen Kassel (SkF) teil. „Das Kind hat jede Stunde geschrien“, sagt Chantale. Vier Tage und drei Nächte teilten sich die Schülerinnen zu zweit eine Puppe.

Katharina Rolka ist Sozialpädagogin und leitet zusammen mit der Studentin der Erziehungswissenschaften, Lisa Strube, den Kurs. „Die Babysimulatoren schreien zwei Minuten lang. In dieser Zeit müssen die Mädchen rausfinden, was das Kind hat.“ Zur Auswahl stehen Windeln wechseln, Füttern, Bäuerchen machen oder einfach nur Wiegen. Ziel des Kurses ist es nicht, die jungen Mädchen abzuschrecken. „Sie sollen wissen, an wen sie sich im Fall der Fälle wenden können.“

Das thematische Arbeiten stehe bei diesem Projekt im Vordergrund, sagt Sigrid Malirsch. Sie ist die Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen Kassel und setzt sich besonders stark für die Aufklärung im Bereich Drogen und Alkohol ein. „Die Mädchen müssen einerseits lernen, wie viel Verantwortung mit einem Baby verbunden ist.“ Andererseits, was es bedeutet, Drogen und Alkohol während einer Schwangerschaft zu konsumieren.

Auch was für Folgeschäden es hat, wenn ein Baby geschüttelt wird, war Thema des Projektes. „Bevor Mütter mit den Nerven am Ende sind, sollten sie sich Hilfe holen“, sagt Katharina Rolka. „Freunde oder die Familie können ja ein paar Stunden auf das Kind aufpassen, die Mutter kann ausschlafen oder sich etwas Zeit für sich gönnen.“ Auch Beratungsgespräche beim SfK sind möglich.

Und was haben die Teilnehmerinnen gelernt? „Wir sind eindeutig zu jung für Kinder“, ist sich Julia Heimrich (15) sicher, und Jennifer Sokolowski (15) nickt. „Jetzt müssen wir erst mal das machen, wozu wir Lust haben.“ Erleichtert atmete sie auf, als Lisa Strube ihr das Armband vom Handgelenk schneidet. „Das fühlt sich so gut an“, sagt sie und lächelt. Jetzt muss sie nicht mehr in der Bahn mit einem schreienden Baby sitzen.

Eine Schülerin ist etwas traurig, dass das Baby-Projekt schon vorbei ist. „Es ist schade, dass die Babys keine Liebe zurückgeben können“, sagt Alica Schaub (15). „Ansonsten hat mir das Projekt gut gefallen.“

Von Anthoula Grigoriadou

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