Mammutaufgabe - Kosten: eine Million Euro

Junge Kommune Lossehof: Sanierung dauert noch Jahre

+
Gemütlichkeit unter Fachwerkbalken: Die Küche im Gesindehaus vermittelt einen Eindruck, wie alles nach fertiger Sanierung aussehen soll. Die beiden Kommunardinnen Mona Bricke (links) Sarah Link sind von Berlin nach Kaufungen gezogen.

Kaufungen. In der Küche des „Gesindehauses“ wird schon sichtbar, wie alles einmal werden soll: Freiliegende Fachwerkbalken verströmen Gemütlichkeit, moderne Fenster halten ebenso die Wärme im Haus wie die komplett erneuerten Lehmwände. Dach und Fußböden wurden erneuert, Öfen aufgestellt.

Die inzwischen 20 Mitglieder der Kommune Lossehof haben seit April 2012 kräftig zugelangt, um den schon fast hoffnungslos verfallenen ehemaligen Hof Hubenthal in Oberkaufungen wieder bewohnbar zu machen. „Die Bausubstanz ist doch besser als befürchtet“, sagt Kommunardin Mona Bricke, Referentin für Energiepolitik in der Klimaallianz Deutschland, erleichtert. „Das ist noch zu retten.“

Arbeit für Jahre: Das Haupthaus des über 250 Jahre alten ehemaligen Hofs Hubenthal muss entkernt und von Grund auf erneuert werden. Ab kommendem Frühjahr sind Dach und Dachstuhl an der Reihe. Rechts im Hintergrund ist die Stiftskirche zu sehen.

Doch Illusionen über die noch vor ihnen liegende Arbeit zur Sanierung von Haupthaus, Scheune und vielleicht auch noch Remise macht sich Sarah Link nicht: „Das wird noch einige Jahre dauern, bis alles so ist, wie wir es haben wollen“, sagt die Restauratorin mit dem Fachbereich Stein und Lehmfachwerk. Zum Glück sind viele Kommune-Mitglieder wie sie selbst Bau-Experten: Tischler, Gärtner, Zimmermeister, Architekten. Und die Fachleute der befreundeten Kommune Niederkaufungen helfen auch.

Im Haupthaus musste zunächst der beginnende Schwammbefall beseitigt werden, jetzt wird der Bau komplett entkernt, sogar der verschüttete Keller muss mühsam freigelegt werden. Im kommenden Frühjahr sollen Dach und Dachstuhl komplett erneuert werden. Bei der Sanierung werden auch Baumaterialien, Heizkörper, Türen und Fenster der alten Riffer-Villa wiederverwendet, die dem neuen Edeka-Markt weichen musste.

An Motivation mangelt es den 16 erwachsenen Kommunarden nicht: „Das ist die schönste Baustelle, die ich je hatte, die Häuser haben Geschichte“, sagt Sarah Link, die ebenso wie Mona Bricke aus Berlin ins ländliche Kaufungen umgezogen ist.

Hier fühlt sich die Kommune mit offenen Armen empfangen. Link: „Das habe ich so noch nie erlebt. Kaufungen ist offen für unsere Ideen. Wir wurden von Anfang an akzeptiert.“

Alles muss raus: Tischlermeister Jonas Becker holt den Schutt aus dem Fundament des Hauses. Alles muss erneuert werden.

Auch finanzielle Hilfe sollte es für das große Sanierungsprojekt geben, das mit über einer Million Euro veranschlagt ist. Mit bis zu 200.000 Euro könnte das Vorhaben gefördert werden, die Kaufunger Gemeindevertretung will in ihrer nächsten Sitzung über die Aufnahme ins Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ entscheiden.

Wenn in ferner Zukunft einmal alles fertig ist, soll die Kommune Lossehof auf 40 Köpfe anwachsen. Bisher ist dort allerdings nur Platz für drei oder vier, die anderen leben im ehemaligen Schwimmbad-Gebäude. Zusätzlicher Wohnraum wird gesucht.

Wer helfen kann oder sich näher über die Kommune informieren möchte: Telefon 0 56 05/9 27 17 13, im Internet auf www.lossehof.de

Bilder des Standortes

Kommune will alten Hof sanieren

Hintergrund: Netzwerk aus vier Kommunen

Die Kommune Lossehof versteht sich als hierarchiefreie, ökologische Gemeinschaft, deren Mitglieder nicht individuell, sondern zusammen wirtschaften.

Die Kommune Lossehof in Oberkaufungen ist kein Ableger der seit 1986 bestehenden Kommune in Niederkaufungen (dort leben derzeit 60 Erwachsene und 20 Kinder), sondern eine eigenständige Gemeinschaft.

Inzwischen gibt es ein Netzwerk von Kommunen mit alternativem Gesellschaftsmodell im Raum Kassel. Dazu zählen neben den beiden Kaufunger Gruppen auch die Stadtkommune Villa Locomuna in Kassel und die Gastwerke in Staufenberg-Escherode oberhalb von Nieste. (tom/hog)

Von Thomas Stier

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.