Kälte, Nebel und ganz viele Blasen

156 Kilometer nonstop: Unterwegs auf dem Kassel-Steig

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Große Pause in der Abendsonne: Klaus Kwaschneck, Helene Worbes und Ina Kraus (von links) genossen den Ausblick von den Helfensteinen, bevor es in Richtung Ahnatal weiterging.

Espenau. Die Sonne lacht am frühen Pfingstsonntagabend, die Segelflugzeuge ziehen ihre Bahnen über dem Dörnberg. Wie andere Ausflügler und Wanderer genießen Ina Kraus und Klaus Kwaschneck im Gras sitzend den herrlichen Ausblick von den Helfensteinen.

Nur ihre vor Müdigkeit tief in den Höhlen liegenden Augen, dunklen Ringe und ihre leicht gepressten Stimmen lassen erahnen, dass das Paar bereits eine 36-stündige Gewalttour hinter sich hat. Kwaschneck (52) und Kraus (47) laufen den Kassel-Steig nonstop ab, eine 156 Kilometer lange Tour rund um das Kasseler Becken, das ist fast so weit wie Kassel und Hannover voneinander entfernt sind.

Am Dörnberg, nach einem letzten heftigen Anstieg der Tour und rund 20 Kilometer vor dem Ziel - die heimische Haustür in Espenau - schmerzen die Beine. Die Füße sind von unzähligen Blasen übersät. „Während unserer Pausen ist das Abkleben der Blasen mit Pflastern und Tapes langsam zur Hauptbeschäftigung geworden. Unsere Füße sehen aus, als hätten sie eine Woche in der Badewanne gelegen“, erzählt Kwaschneck. Das erste Paar Schuhe war nach 90 Kilometern nicht mehr zu gebrauchen. Dauerregen hatte vor dem Start der beiden Extremwanderer des Deutschen Alpenvereins am frühen Samstagmorgen in Espenau die Wege des Kassel-Steigs aufgeweicht und teilweise in sumpfigen Morast verwandelt.

Diese schwierigen Bedingungen brachten selbst diese ausdauernden Wanderer, die schon etliche 100-Kilometer-Touren hinter sich haben, an ihre Grenzen. „An der Bauna hatten wir bei Dunkelheit, Kälte und dichtem Nebel unseren absoluten Tiefpunkt“, erzählt Kraus während der Pause an den Helfensteinen. Der anbrechende sonnige Morgen, viele aufmunternde E-Mails auf ihren Handys und ihre Wanderfreundin Helene Worbes aus Vellmar, die sich den beiden dort anschloss und belegte Brote und frisches Wasser mitbrachte, richteten die Extremwanderer wieder auf. genauso wie ein anderer Freund der ab Großenritte eine Weile mitlief.

Fotos: Extremwanderer auf dem Kassel-Steig

Fotos

HNA-Mitarbeiter Gerd Köberich, ebenfalls begeisterter Wanderer, schaute dort vorbei, um mit Kwaschneck und Kraus auf seinen Geburtstag anzustoßen.

Die letzten 20 Kilometer wurden dann noch einmal zu einer Herausforderung. Da musste sich das Paar richtig quälen, erst eine halbe Stunde vor Mitternacht, nach fast 41 Stunden, erreichte es im Regen sein Haus in Espenau, freudig begrüßt nur von seinem fünf Monate alten Gordon-Setter. Ein alkoholfreies Bier, ein heißes Bad, dann ging es sofort ins Bett. Trotz aller Schinderei und des Auf und Ab über insgesamt 3000 Höhenmeter schwärmen Kraus und Kwaschneck von den herrlichen Ausblicken in die Landschaft, die der Kassel-Steig bietet. Die Markierungen seien vorbildlich. „Da hat man sich viel Mühe gegeben“, sagt Kwaschneck.

Von Peter Dilling

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