In der Nachkriegszeit war Spielzeug rar – Puppenwagen wanderte von Hand zu Hand

Kaffeemühle war der Hit

Großenritte in den 30er-Jahren: Zu sehen ist das Dorfzentrum mit der Kirche in der Mitte. Fachwerk prägte den gesamten Ort. Fotos: Sammlung Ahrend/nh

Baunatal. Erinnerungen an Kindheit und Jugendzeit sind in großem Maße mit dem Elternhaus verbunden. Meine Eltern – Minna und Martin Koch – hatten das Haus in Großenritte auf einem Grundstück errichtet, das an das Geburtshaus meines Vaters angrenzte.

Hier wurde ich 1935 geboren und wuchs zusammen mit meinen drei Geschwistern auf. Mein Vater war Elektromeister und betrieb ein Elektrogeschäft, das er dann, als er aus Krieg und Gefangenschaft im Herbst 1945 heimkehrte, fortführte. Von nun an stand allerdings das Fahrrad- und Motorradgeschäft im Vordergrund.

So ging es in unserem Haushalt eigentlich immer unruhig zu. Entweder klingelte es an der Ladentür, oder Kunden kamen auf den Hof, um Reparaturen ausführen zu lassen.

Garten mit Apfelbäumen

Hinter dem Haus und der Werkstatt war ein Garten angelegt. Die vordere Hälfte bestellte meine Mutter mit Salat, Gemüse, Kräutern und Kartoffeln. Erdbeeren durften auch nicht fehlen. Außerdem standen links und rechts am Gartenzaun einige Apfelbäume, die jährlich köstliche Früchte trugen. Zwei Zwetschenbäume erweiterten das Obstangebot für die Familie.

Auf einem kleinen Rasenstück standen ein ovaler, weißer Gartentisch und eine weiße Gartenbank. So konnten wir an schönen Sommertagen den Sonntagskaffee und Kuchen draußen im Freien genießen. Nach dem Krieg kamen noch Holzliegestühle hinzu. Darin habe ich gern hinzu. Darin habe ich gern gesessen und in einem Buch geschmökert.

Zu meinen Pateneltern bestand ein gutes Verhältnis. Nie werde ich den Weihnachtstag vergessen, an dem ich von ihnen den Puppenwagen und die Puppe meiner Cousine als Geschenk erhielt. Das schöne Spielzeug haben wir dann nach einigen Jahren wieder an die Familie zurückgegeben, damit auch die andere Cousine hiermit spielen konnte.

Der interessanteste Gegenstand für mich in der Küche meiner Godel war die Kaffeemühle. Diese war an der rechten Seite des Küchenschrankes auf ein Brettchen geschraubt und konnte so leicht per Hand betrieben werden. Das Kaffeemahlen ging also weitaus besser vonstatten als mit der herkömmlichen Mühle, die man zwischen die Beine klemmen musste. Diese Kaffeemühle erregte bei jedem Besuch immer wieder meine Aufmerksamkeit.

Nicht nur verwandtschaftliche, auch nachbarschaftliche Beziehungen wurden gepflegt. Es gab sehr viele Kinder, mit denen man am Nachmittag nach den Schulaufgaben draußen oder im Winter auch drinnen spielen konnte.

Viele Kinder

Außerdem wohnten für einige Jahre durch Vermietung noch weitere acht Kinder in unserem Haus, da war an Spielgefährten kein Mangel. Obwohl meine Kinderjahre in die Kriegs- und Nachkriegszeit fielen, kann ich rückschauend sagen, dass es für mich trotz allem gute Jahre mit vielen schönen Erlebnissen waren. http://zu.hna.de/rtdTux

Von Ria Ahrend

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