Interview: Heidi und Albert Noll über ihre Zeit als Kunigunde und Heinrich II.

Interview: Kaiserpaar von Kaufungen dankt ab

Danken ab: Heidi und Albert Noll haben Kaufungen als Kaiserpaar Kunigunde und Heinrich II. repräsentiert. Nun geben sie ihre Kronen weiter. Foto: Schippers

Kaufungen. Einmal im Leben Kaiser sein – wer würde das nicht gern? Heidi und Albert Noll waren es, ab und an zumindest. Denn seit 2004 schlüpften die beiden immer wieder in ihre Gewänder und zogen als Kaiserin Kunigunde und Kaiser Heinrich II. durch die Lande, um Kaufungen zu repräsentieren. 

Nun danken sie ab und geben die Krone weiter. Im Gespräch mit der HNA berichtet das Ehepaar über seine Zeit als Kaiserin und Kaiser.

Frau und Herr Noll, wie haben Sie sich gefühlt, wenn Sie als Kaiserin Kunigunde und Kaiser Heinrich II. unterwegs waren?

Heidi Noll: Man fühlt sich schon ein bisschen anders. Die Menschen haben sich auf uns konzentriert. Wenn wir in einem Festzug gelaufen sind, mussten wir uns repräsentativ verhalten. Wir sind ja auch von den Leuten angesprochen worden und mussten uns mit ihnen auseinandersetzen können. Es kommt vielleicht auch mal ein negativer Spruch. Das muss man auch hinnehmen können. Ansonsten bin ich auch mit Gewand geblieben wie ich bin.

Albert Noll: Man schlüpft in eine andere Haut, ähnlich wie ein Schauspieler. Ich spiele in dem Moment eine Rolle, die ich auch lebe. Aber wir sind immer mit den Füßen auf der Erde geblieben.

Was beeindruckt sie besonders an dem Kaiserpaar?

Heidi Noll: Kunigunde trug den Titel Consors regni. Das bedeutet, dass sie die Geschäfte geführt hat, wenn der Kaiser mal wieder auf Kriegszug war. Sie ist die einzige Frau dieser Zeit, die solch eine Macht besessen hat. Das ist etwas Besonderes.

Albert Noll: Heinrich war Realpolitiker, zumindest sagt man ihm das nach. Er schützte sein Reich und ordnete die Kirchenpolitik.

Was fasziniert Sie am Mittelalter?

Heidi Noll: Da gibt es viele interessante Themen: der Stand der Medizin zu der Zeit, die Kräuterfrauen und die Hexenverfolgung zum Beispiel.

Albert Noll: Wie die Leute gelebt haben. Wir haben ein goldenes Zeitalter erlebt. Das hatten die Menschen damals nicht. Mich interessiert, wie damals Krieg geführt wurde. Wie wurde ein Heer zusammengestellt und versorgt?

Hätten Sie gern in dieser Zeit gelebt?

Heidi Noll: Nein, denn ich weiß genau, wie das Mittelalter war. Es war nur für den Adel lebenswert und nicht für die einfache Bevölkerung.

Albert Noll: Ich schon. Ich würde gern wissen, wie es damals in Kaufungen war. Wie hat es hier ausgesehen? Stand die Georgskapelle schon? Wie hat das Kaiserpaar ausgesehen? Wo liegt Kunigunde tatsächlich begraben?

Wie sind Sie und Ihr Hofstaat gereist?

Albert Noll: Die Gemeinde Kaufungen hat uns einen Wagen zur Verfügung gestellt. Manchmal haben wir auch unsere eigenen Autos genommen, wenn der Platz nicht reichte. Wir waren ja meistens etwa 15 Leute. Ich habe immer am Steuer gesessen.

Heidi Noll: Der Kaiser hatte keinen Chauffeur. Ein Zelter (Pferd) wurde uns nicht zur Verfügung gestellt.

Warum legen Sie Ihr Amt nun nieder?

Heidi Noll: Ich möchte meine Zeit für andere Dinge nutzen, mich mehr auf die Geschichte konzentrieren. Der Zeitpunkt abzudanken, ist gekommen.

Albert Noll: Mit 80 möchte ich das nicht mehr machen. Es war eine wunderbare Zeit, die Erinnerungen daran bleiben. Wir würden das immer wieder machen und danken allen, die an unserer Seite gestanden und uns unterstützt haben.

Von Nicole Schippers

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