Appell: Rassismus zur Sprache bringen

Gedenkgottesdienst für die Opfer des Nationalsozialismus

Gemeinsam gegen Rassismus: Die Pfarrer Werner Pausch (links) und Ernst List gestalteten den Gedenkgottesdienst in der Welleröder Kirche. Mit auf dem Bild sind Mitglieder des Projektchors der evangelischen Kirchengemeinde Wellerode und Organist Eike Böttger (2. Reihe rechts). Foto:  Wohlgehagen

Söhrewald. „Das Stuttgarter Schuldbekenntnis reicht nicht aus, wenn daraus keine Konsequenzen gezogen werden“, sagte Pfarrer Werner Pausch während eines Gottesdienstes zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Welleröder Kirche.

Der Seelsorger erinnerte an die Schulderklärung, mit der die Evangelische Kirche Deutschlands im Oktober 1945 erstmals eine Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus übernahm.

Die „braune Schlange“ erhebe immer wieder ihr Gesicht, es sei deshalb nötig, Übergriffe wahrzunehmen, der Opfer von damals zu gedenken und Wiederholungen zu vermeiden, unterstrich Pfarrer Ernst List (Eiterhagen).

Während der bewegenden, gemeinsamen Andacht schilderte der Pfarrer das ergreifende Schicksal von Judenrat-Obmann Adam Czerniakov, der im Warschauer Ghetto aus Protest gegen die bevorstehende Massendeportation durch seinen Freitod ein Zeichen setzte. Ergriffen reagierte die Gemeinde auch auf das Glaubensbekenntnis des vom NS-Regime 1945 im Konzentrationslager Buchenwald hingerichteten lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer.

Was kann man gegen den alltäglichen Rassismus in unserem Land tun? „Wir müssen den Finger in die Wunde legen, wo es mit der Banalität des Bösen anfängt und alles zur Sprache bringen“, sagte Pfarrer Pausch.

Mit dem Taize-Song „Jesus remember me“ und bewegendem Orgelspiel ging der Gedenkgottesdienst zu Ende. (ppw)

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