Kampf gegen den Verkehrsinfarkt

Bürgermeisterwahl in Helsa: Amtsinhaber Tilo Küthe ist einziger Kandidat

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Keine Autobahn-Umleitung durch Helsa: Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) wehrt sich gegen die im Zuge des A 44-Baus geplante Streichung der Bundesstraße 7. Diese würde dazu führen, dass die Autos bei Staus und Baustellen durch den engen Ortskern rollen würden. Unser Foto entstand an der Stelle, wo die Leipziger Straße (Hintergrund) auf die Berliner Straße trifft.

Helsa. Eigentlich könnte sich Tilo Küthe entspannt in seinem Sessel im Helsaer Rathaus zurücklehnen. Denn mangels Gegenkandidat ist die Bürgermeisterwahl am 25. Mai für den seit zwölf Jahren amtierenden Sozialdemokraten bereits gelaufen.

Der 49-Jährige wird auch in den kommenden sechs Jahren an der Spitze der knapp 5600 Einwohner zählenden Gemeinde stehen.

Doch Küthe, der 2008 trotz CDU-Gegenkandidat auf 69 Prozent der Stimmen kam, lehnt sich nicht zurück. Er ist im Wahlkampfmodus. Seine Ziele für den Wahlsonntag sind eine hohe Wahlbeteiligung und eine große Zustimmung der Wähler. „Ich brauche eine hohe Legitimation, damit die Helsaer in Wiesbaden Gehör finden“, sagt der Mann, der in den vergangenen Jahren 40 Kilogramm abgespeckt hat und sich jetzt sportlich-schlank präsentiert.

Mit Wiesbaden liegt der Wickenröder über Kreuz, seit bekannt wurde, dass die Bundesstraße 7 im Zuge des Baus der Autobahn 44 wegfallen und der Verkehr bei Unfällen und Baustellen durch den alten Ortskern von Helsa rollen soll. „Das kann nicht sein“, kritisiert der eigentlich als besonnen geltende Verwaltungschef, der geharnischte Protestbriefe an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und den neuen hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geschrieben hat. Im Kampf gegen die A 44-Planung übt Küthe den Schulterschluss mit Kaufungen, Niestetal und Kassel. „Wir sind auch bereit, nach Berlin zu gehen“, kündigt der Bürgermeister an.

Gegen zu viele Windräder

Auch beim Thema Windkraft, das die Helsaer stark umtreibt, setzt Küthe auf eine klare Position. Er sieht keine Alternative zu den großen Rotoren („Ich möchte schließlich nicht auf ein Atomkraftwerk gucken“), doch dürfe Helsa „nicht von Windrädern umzingelt werden“. Sein Vorschlag: Verzicht auf die drei auf dem Buchberg geplanten Anlagen.

Beim Thema Finanzen benutzt Küthe die Lieblingsvokabel der Kanzlerin. Der Finanzschutzschirm des Landes sei für Helsa „alternativlos“ gewesen. Dass der Schutzschirm ein CDU-Projekt ist, stört Küthe nicht. 100 von 106 infrage kommenden Kommunen hätten das Entschuldungsangebot des Landes angenommen.

Die damit verbundenen Zumutungen für die Helsaer Bürger - unter anderem wurden die Kindergartengebühren und die Grundsteuer erhöht - wären sowieso gekommen, ist Küthe überzeugt. Und wie fällt die Zwischenbilanz aus? „Wir haben seit 2013 einen ausgeglichenen Haushalt“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt stolz. Er redet gern über das, was er für eine große Stärke der Helsaer hält: ihr ehrenamtliches Engagement. Als Beispiel nennt Küthe die Sanierung der Gaststätte „König von Preußen“ durch einen eigens dafür gegründeten Verein. Die 2000 Euro pro Monat, die die Gemeinde für die Miete des Saals zahle, sei „gut angelegtes Geld“, sichere die Summe doch die Existenz des einzigen großen Veranstaltungssaals in Helsa.

Ziel: Freibad wiederbeleben

Und ein weiteres Beispiel nennt Küthe: Ein Förderverein will versuchen, das geschlossene Freibad im kommenden Jahr wieder zu öffnen. Die Streichung des Betriebskostenzuschusses von jährlich 30 000 Euro durch die Nachbargemeinde Kaufungen hatte dem Bad den Garaus gemacht. Künftig könnte das Freibad ganzjährig als Veranstaltungsort genutzt werden, schwebt dem Bürgermeister vor. Auf die Kaufunger ist Küthe angeblich nicht mehr sauer. Er kann sich vielmehr vorstellen, dass die beiden Kommunen künftig enger als bisher zusammenarbeiten. Als Beispiele nennt er das Ordnungs- und das Standesamt - und die Finanzverwaltung.

Von Peter Ketteritzsch

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