Alle Anträge vom Schulamt abgelehnt

Für Platz in Wunschschule: Sechsjähriger muss mit seinem Vater umziehen

+
Eingeschult: Melisa (10), Keremcan (6) und Vater Sedat Yildiz. Damit Keremcan auf der Grundschule am Stadtpark eingeschult wird, musste er umziehen. Foto: C. Hartung

Baunatal. Der erste Schultag ist für die meisten Kinder etwas Tolles. Doch für Keremcan aus Baunatal hatte der Schulanfang einen ziemlich bitteren Beigeschmack. Denn dafür, dass er künftig die Grundschule am Stadtpark besuchen kann, musste er mit seinem Vater umziehen.

Keremcans Mutter liegt seit einigen Wochen im Krankenhaus - die Diagnose: Blutkrebs. Die Familie traf die Botschaft wie ein Schlag. Seitdem kümmert sich Keremcans Papa Sedat um ihn sowie um seine beiden Schwestern.

Da es gerade für den Sechsjährigen besonders schwierig sei, den Alltag ganz ohne die Mama zu meistern, solle er wenigstens einen leichten Einstieg in das Schulleben haben, erklärte seine Schwester Rüya Yildiz. „Deshalb wollten wir, dass Keremcan auf der Grundschule am Stadtpark eingeschult wird.“ Denn seine zehnjährige Schwester Melisa besucht die benachbarte Theodor-Heuss-Schule und könnte den Sechsjährigen so auf dem Schulweg begleiten.

Entscheidung unverständlich 

Doch einen Platz auf der Wunschschule zu bekommen, gestaltete sich für die Familie schwierig. Denn eigentlich ist die Straße in Altenbauna, an der die Familie wohnt, laut der Schulbezirkssatzung der Langenbergschule zugeordnet. „Völlig unverständlich“, findet Vater Sedat. Zur Langenbergschule seien es fast drei Kilometer, der Weg bis zur Grundschule am Stadtpark hingegen sei nicht mal halb so lang.

Also stellte die Familie einen Antrag beim Staatlichen Schulamt, damit Keremcan auf der Schule am Stadtpark eingeschult wird. „Meine Mutter hat sich im Krankenhaus dauernd Gedanken um Keremcan gemacht“, erzählt Rüya. „Wenn er jedoch mit Melisa zur Schule gehen könnte, würde sie das sehr beruhigen.“ Ruhe sei nämlich besonders wichtig bei Leukämie. „Wir wollen einfach, dass sie sich keine Sorgen machen muss.“

Antrag abgelehnt 

Doch der Antrag wurde vom Schulamt abgelehnt. Der Grund: Die Höchstgrenze von 50 ABC-Schützen sei bereits erreicht, so Rüya. Würde man Keremcan noch aufnehmen, müsse man die Klassen teilen, weil nicht mehr als 25 Kinder in einer Klasse sein dürfen. Mehr als 50 Kinder könne man lediglich zulassen, wenn die Schüler in dem Gebiet wohnen, das der Grundschule laut Satzung zugeordnet ist.

„Wenn ich mit Keremcan umziehen würde, dann habe er ein Recht auf den Platz, sagte man mir beim Schulamt“, berichtete Serdat Yildiz. Sobald die Kapazität der Schule ausgelastet sei, würden Anträge auf Wunschschulen grundsätzlich abgelehnt, sagte die Leiterin des Staatlichen Schulamts Helga Dietrich auf HNA-Anfrage.

Weil Sedat Yildiz nach weiteren abgelehnten Anträgen letztlich keine andere Lösung sah, mietete er ein Zimmer - in dem Gebiet, das der Grundschule am Stadtpark zugeordnet ist und meldete Keremcan um. Bei der Einschulung waren es mit ihm nur 49 Kinder.

Dass doch noch Plätze frei waren, habe man beim Schulamt nicht gewusst, so Dietrich. Die letzte Meldung der Grundschule sei im August eingegangen. „Dort wurden uns 50 Kinder gemeldet.“

Das sagt das Schulamt

Die Schulbezirkssatzung schreibe strikt vor, dass bestimmte Straßen in Städten und Gemeinden gewissen Schulen zugeordnet seien, erläutert die Leiterin des staatlichen Schulamts für Stadt und Landkreis Kassel, Helga Dietrich. Im Fall der Familie Yildiz müsse Keremcan regulär die Langenbergschule besuchen. Durch einen Gestattungsantrag beim Schulamt sei es aber dennoch möglich, dass Kinder bei besonderen Gegebenheiten eine andere als die zugeordnete Schule besuchen können. „Allerdings müssen dafür auch noch Plätze frei sein.“

Durch die Aufnahme eines weiteren Kindes durch einen solchen Antrag dürfe sich für die Schule nicht die Situation ergeben, dass eine Klasse wegen zu vieler Schüler geteilt werden muss. „Eine Teilung ist nur zulässig, wenn die Kinder im Gebiet der zugeordneten Schule wohnen.“ Selbst wenn gewichtige Gründe für den Besuch einer anderen Schule vorliegen, könne das Schulamt keine Ausnahme durch einen Gestattungsantrag machen, wenn die Schulen ausgelastet sind. „Die Schule am Stadtpark hat uns mitgeteilt, dass 50 Kinder eingeschult werden.“ Daher sei die Aufnahme von Keremcan über den Antrag nicht möglich gewesen, sagte Kaiser abschließend.

Von Carolin Hartung

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.