Unterirdisches Bohrgerät gräbt Schacht in Göttingen – Baunataler Ingenieurbüro Gajowski federführend

Kanalbau im Regenwurmprinzip

Geschlossenes Bohrsystem: Vom Uni-Klinikum bis zum Güterverkehrszentrum wird sich über 1200 Meter das Vortriebsgerät der Firma Herrenknecht durch den Untergrund wühlen. Foto: UMG/nh

Baunatal / Göttingen. Ein spektakuläres, wenn auch kaum zu sehendes Bauprojekt beginnt in dieser Woche: Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) baut einen 1210 Meter langen Regenwasser-Kanal für 14 Millionen Euro unter Häusern und Firmengebäuden. Die Anlieger müssen dafür nichts bezahlen. Federführend bei dieser Technik ist das Baunataler Ingenieurbüro Gajowski.

Ein Chirurg würde bei dem Vorgehen von einer minimal-invasiven Methode sprechen. Der Kanalbauer nennt es Bohren mit einer Mikro-Tunnel-Maschine per Fernsteuerung. Das Ergebnis ist identisch: Sowohl beim Operieren mit dem Arthroskop als auch beim Mikro-Kanal-Bohren entstehen nur kleine Kollateralschäden.

In 13 Meter Tiefe

Vom Klinikum bis zum Güterverkehrszentrum an der Bahnlinie wird bis November 2015 an vier Baustellen eine Rohrtrasse mit einer „Herrenknecht“-Vortriebsmaschine erstellt. Sie wird sich nach dem Regenwurm-Prinzip in 13 Meter Tiefe vorangraben und mit der Bohrung sogleich eine Gliederkette von Kanalrohrelementen verlegen. Im Sommer 2015 soll alles fertig sein, das Regenwasser und Abwasser vom Klinikum zum GVZ und nach Norden zur Lutter ohne Pumpen fließen können.

Gefährlich wird es laut UMG-Vorstand Dr. Sebastian Freytag für Anlieger nicht werden: Ein Absacken von Stollen droht nicht, weil es keine geben wird. Die Erschütterungen der Maschine sind minimal und mögliche Granaten und auch Bombenblindgänger im Boden sollten kein Risiko darstellen. „Diese sinken maximal fünf Meter ein, wir arbeiten tiefer“, erklärt der Projektleiter vom UMG-Gebäudemanagement, Detlef Benezé. Er sagt auch, dass auf der Strecke bereits nach Kampfmitteln im Boden gefahndet wurde. Ergebnis: negativ.

Ist das Rohrsystem einmal fertig, dann sollen Notfälle wie das Absaufen des Pumpenhauses im Klinikum Juni 2013 nicht mehr vorkommen, selbst wenn der Überlaufteich dort verschwunden sein wird.

Seine Funktion übernimmt dann ein zwei Meter im Querschnitt messendes Rohr: „Ein Teil der Leitung dient als Rückstau und ist Überlaufschutz“, erläutert Manfred Fiedler von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB), die den Kanal mit geplant haben und ihn nach der Fertigstellung „erben“ werden. Das Projekt ist auch ein Vorgriff auf den Klinikum-Neubau. Dann wird der Platz, den der Teich einnimmt, benötigt. Und: Die seltsame Lösung, das Oberflächen- und Schmutzwasser bergauf gen Weende in den Bach Lutter beziehungsweise den Kanal zu pumpen, gehört der Vergangenheit an.

Nächste Herausforderung

Dafür, dass alles funktioniert, sorgen erfahrene Ingenieure aus Baunatal: Das Büro Gajowski hatte bereits die Federführung des Bohr-Einsatzes an der A  7 in Göttingen, als ein Rohr 30 Zentimeter unter der Fahrbahn mit dem Regenwurm-Bohrer verlegt wurde. „Das war spannend“, sagt Markus Gajowski, der sich nun auf die nächste Herausforderung in Göttingen freut.

In Kassel übrigens wird das Expertenwissen ignoriert. „Dort baut man anders“, sagt Gajowski und zuckt mit den Achseln.

Von Thomas Kopietz

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