Kapazitäten reichen nicht

Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD) über die Flüchtlingsproblematik

KREIS KASSEL. Die Zahl der Flüchtlinge im Landkreis Kassel steigt stetig: Nach Prognosen aus dem Kreishaus wird sie 2015 wahrscheinlich bei 1500 liegen. Über die Entwicklung sprach HNA-Redakteur Peter Ketteritzsch mit Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD).

Frau Selbert, Sie beklagen, dass Bund und Land den Kreis bei den Kosten für die Unterbringung der Flüchtlinge im Regen stehen lassen. Wie viel Geld erhält der Kreis aktuell und wie viel brauchen Sie?

Susanne Selbert: 2014 haben wir im Haushalt Zuweisungen des Landes in Höhe von 2,4 Millionen Euro eingeplant - wir benötigen allerdings knapp 5,2 Millionen Euro. 2015 wird sich daran nichts Grundlegendes ändern.

Sofern es zu der angekündigten Erhöhung der monatlichen Pauschalen vom Land kommt, rechnen wir mit Zuweisungen in Höhe von drei Millionen Euro. Bei den Aufwendungen rechnen wir aber mit über sieben Millionen Euro.

Zurzeit entstehen im Kreis weitere Gemeinschaftsunterkünfte, unter anderem in Espenau. Reichen die zusätzlichen Kapazitäten aus?

Selbert: Die zusätzlichen Kapazitäten in Wolfhagen und Espenau werden nicht ausreichen. Wir prüfen ständig weitere Möglichkeiten und werden sicher noch in diesem Jahr weitere Gemeinschaftsunterkünfte einrichten.

In diesem Jahr haben Sie nach langer Zeit die frühere Kfz-Zulassungsstelle in Kassel-Waldau verkauft. Warum hat man diese nicht zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert?

Selbert: Für die Unterbringung der Flüchtlinge sind die Gebietskörperschaften auf ihrem Gebiet zuständig. Unterkünfte in Kassel oder in anderen Orten außerhalb des Landkreises sind daher nicht gestattet.

Bislang gibt es vergleichsweise wenige Probleme mit den Flüchtlingen. Fürchten Sie, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt, wenn die Zahl der Asylbewerber immer weiter steigt?

Selbert: Wir haben mit unserem Konzept und besonders mit der guten Betreuung in den vorhandenen Unterkünften durch eigene Mitarbeiter sowie dank der Hilfe der vielen ehrenamtlich engagierten Menschen in den Unterstützerkreisen die Basis für ein gutes Miteinander geschaffen. Auch bei der Suche nach weiteren Einrichtungen werden wir in enger Absprache mit den Kommunen offen und transparent umgehen und die Betreuungsqualität erhalten.

Foto:  nh

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