Bauhofleiter geht nach elf Jahren an der Spitze in den Ruhestand

Baunatal: Karl Stock gibt das Steuer weiter

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Er steigt aus: Formal hat Karl Stock am 28. Februar seinen letzten Arbeitstag als Leiter des Bauhofs der Stadt Baunatal, faktisch hat er schon aufgehört.

Baunatal. Karl Stock leitete 13 Jahre ehrenamtlich als Stadtbrandinspektor die Feuerwehr. Seit 2002 führte er den städtischen Bauhof. Nun, nach elf Jahren, macht der 62-Jährige den Platz am Steuer für Andreas Freier (46) frei – die Gesundheit fordert Tribut.

Karl Stock dürfte jenseits von Politik, Sport und Wirtschaft einer der bekanntesten Baunataler sein. Viele Menschen werden ihn zudem aus Gartenmarkt und Warenzentrale von Raiffeisen in Baunatal kennen, 25 Jahre arbeitete er dort, zuletzt als Zweigstellenleiter. Als Vorsitzender der Waldinteressenten Großenritte sorgt er seit einem Jahrzehnt mit dafür, dass schön gewachsene Weihnachtsbäume den Weg die Baunataler Stuben zieren.

Vielleicht hätte er eines anders machen können, sagt der 62-Jährige in der Rückschau. Gemeint ist der Schritt aus der väterlichen Landwirtschaft – von der Ausbildung her ist Stock staatlich geprüfter Landwirt – in den Gärtnereibereich. Doch den Kauf eines größeren Hofes, Basis fürs Auskommen, lehnte der Vater damals in den 60er-Jahren ab.

Zumindest im Nebenerwerb ging es weiter, und auch Stocks hauptberufliche Tätigkeit lag dem Lieblingsfeld nahe: Gartenbau und Samenzucht bei der Firma Rohde in Guxhagen, dann Raiffeisen und schließlich der städtische Bauhof, bei dem Grünpflege eine der Hauptaufgaben ist.

„Von der Seele her bin ich Landwirt“, sagt Stock, der den Nebenerwerbsbetrieb (25 Hektar mit Getreideanbau) inzwischen an Sohn Jürgen weitergegeben hat. Doch arbeitet der fast 63-Jährige weiterhin mit.

Mit 52 nochmals beruflich umzusatteln, im Bauhof das Erbe von Heinrich Lange anzutreten – keine einfache Entscheidung, sagt Stock. Bereut hat er sie nie. „Es war eine wunderschöne Zeit“, betont der scheidende Chef und hebt vor allem hervor, wie gut er sich auf seine Mannschaft verlassen konnte, auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten. Für ihn selbst war es wichtig, „noch etwas zu entwickeln“. Hier nennt er als Beispiel den Bau der Baunataler Kunstrasenplätze. Das neue Grünkonzept der Stadt hätte er mit dem Team – 55 feste Mitarbeiter, 23 Saisonkräfte – gern noch umgesetzt, aber die Gesundheit hatte Vorrang.

Auf die eigene Bilanz setzt Stock die Hundetoiletten-Beutelspender („eine Kleinigkeit, aber wichtig“), die der Bauhof aus Briefkästen selbst baute, feste Zeiten für die Annahme von Elektroschrott, den Bau eines Pumptracks, einer Berg- und Talbahn für Mountainbiker, nahe der Rundsporthalle, den guten Kontakt zu den Vereinen. Und: Hessentag, Landesturnfest, andere Veranstaltungen, die für den Bauhof Großeinsatz bedeuteten: „Das hat Arbeit, aber auch viel Spaß gemacht“, sagt Stock, den viele auch wegen seiner ausgeglichenen Art schätzen.

Jetzt hofft der eingefleischte Großenritter, dass die Gesundheit bald wieder Hobbys wie Skifahren zulässt – natürlich neben der Landwirtschaft.

Von Ingrid Jünemann

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