Urteil des Amtsgerichts: 44-jähriger Vellmarer hatte Nachbarn wegen einer Lappalie in Bauch gestochen

Bewährungsstrafe für Messer-Attacke

Kassel. Ein 44-jähriger Mann aus Vellmar, der seinen Nachbarn vor etwa einem Jahr mit einem Springmesser verletzt hatte, wurde nun zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt. Die Strafe für gefährliche Körperverletzung wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Aus nichtigem Anlass sei dem Angeklagten „die Sicherung durchgebrannt“, fasste Richter Matthias Grund im Amtsgericht am Montag das Geschehen an jenem Abend vor einem Jahr zusammen. 

Der Angeklagte bekommt einen Bewährungshelfer und muss hundert Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

„Ich wollte doch nur drohen, ich hatte niemals die Absicht, ihn zu verletzen“, beteuerte der 44-Jährige. Als er an jenem Septemberabend vor dem Haus eine Zigarette rauchen wollte, waren seine Gartenmöbel nicht am gewohnten Platz und seine Zigaretten verschwunden. „Das hat mich ziemlich aufgeregt.“ Er hängte darauf einen Zettel an die Wohnungstür des Nachbarn. Dieser Zettel lag Stunden später wieder vor seiner Wohnung mit der Bemerkung, er möge den Ball flach halten.

Der Angeklagte klingelte darauf beim Nachbarn, doch der wollte zu so später Stunde nicht reden. „Ich fühlte mich wie ein Schuljunge abserviert.“ Er holte ein Messer aus seiner Wohnung, klingelte erneut, und als der Nachbar wieder die Tür öffnete, bekam er einen Stich versetzt.

Der 44-Jährige gab an, dass der andere auf ihn zugekommen und es so zu der Verletzung gekommen sei. Der Nachbar sagte, der Angeklagte habe eine Bewegung gemacht, als ob er zu einem Schlag ansetze, da habe er auch schon einen Schmerz am Finger und am Bauch gespürt.

Der Nachbar klärte vor Gericht auf, wie es zum Verschwinden der Zigaretten gekommen war: Eines seiner Kinder hatte an jenem Tag Geburtstag, die Gartenmöbel des Angeklagten waren deshalb umgestellt worden, und seine Tochter hatte sich die Zigaretten gegriffen, um der Mutter einen Streich zu spielen, weil sie dachte, ihr gehöre die Packung.

Die Folgen waren immens. Die Wunden, die ihr Vater nach dem Messerstich davontrug, heilten schnell, doch die seelischen Folgen sind gravierender, er befindet sich bis heute in psychologischer Betreuung. Das Kind selbst traut sich manchmal aus Angst nicht allein nach draußen.

„Die Sache belastet mich bis heute extrem“, gestand auch der nicht vorbestrafte Angeklagte, der sich im Gerichtssaal bei dem Opfer entschuldigte. Nach dem Vorfall zog er aus dem Haus in Vellmar aus. In einem Vergleich einigte er sich am Montag mit seinem Ex-Nachbarn auf die Zahlung von 3000 Euro Schmerzensgeld. Richter Grund nahm dem 44-Jährigen seine Reue ab, verwies aber auch auf die „schlimme Tat“. Laut dem Gutachten von Rechtsmediziner Manfred Riße sei der Stich mit der über acht Zentimeter langen Messerklinge „potenziell lebensbedrohlich“ gewesen. (pas)

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