Überfall auf Rewe-Markt: Fahndung mit Fotos von Überwachungskamera

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Fuldatal. Ein bislang unbekannter Täter hat Freitag gegen 5:30 Uhr den Rewe-Markt in der Reinhardswaldstraße im Fuldataler Ortsteil Rothwesten überfallen. Wie die Polizei berichtete bedrohte er den 26 Jahre alten Marktleiter und eine 40-jährige Angestellte mit einer Spritze und forderte Geld.

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16:40 Uhr aktualisiert

Mit einer Beute von mehreren Tausend Euro, die der Täter in einen mitgebrachten hellen Leinenbeutel mit blauem Aufdruck packte, flüchtete er zu Fuß in unbekannte Richtung. Der Marktleiter verständigte unmittelbar nach Verschwinden des Täters über Notruf die Leitstelle der Polizei in Kassel, die sofort eine Fahndung nach dem Mann einleitete.

Nach ersten Ermittlungen der Kasseler Kripo waren der Marktleiter und eine Angestellte zur Tatzeit im Büro des Marktes mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Die Bürotür war geschlossen und konnte von außen nicht geöffnet werden. Als die 40-Jährige kurz das Büro verließ, trat ihr plötzlich der Unbekannte entgegen, bedrohte sie mit einer Spritze und verlangte Geld. Er drängte die Frau zurück ins Büro, wo er auch den Marktleiter in gleicher Weise bedrohte. Dieser händigte dem Räuber daraufhin das Bargeld aus dem Tresor aus.

Bilder zum Überfall

Überfall auf Rewe-Markt in Rothwesten

Die 40-Jährige erlitt bei dem Überfall einen Schock, blieb aber wie ihr Kollege körperlich unverletzt. Der unbekannte Täter, dessen Gesicht kaum zu sehen war, soll von der Stimme her eher etwas älter gewesen sein. Beide Zeugen geben an, dass der Mann akzentfreies Deutsch gesprochen habe. Er war bei der Tat mit einer roten Mütze oder Kappe sowie mit einer roten Jacke mit Reflektorstreifen bekleidet, die nach Angaben der Zeugen einer „Roten Kreuz-Jacke“ ähnlich gesehen habe. Der Mann flüchtete zu Fuß.

Die polizeilichen Fahndungsmaßnahmen nach dem Täter verliefen bislang ohne Erfolg. Eine Person, die im Rahmen der Fahndung am Vormittag überprüft wurde, scheidet als möglicher Tatverdächtiger definitiv aus. Auch gibt es noch keine Hinweise auf den blauen Pkw neueren Baujahrs, den die Bediensteten des Marktes vor Dienstbeginn auf dem zu diesem Zeitpunkt noch leeren Kundenpark stehen sahen. Ob diese Beobachtung im Zusammenhang mit der räuberischen Erpressung steht, ist nicht sicher. Die Ermittler bitten deshalb den Autofahrer, sich mit ihr als möglicher Zeuge in Verbindung zu setzen. Die Bearbeitung des Falles erfolgt beim Kommissariat K35 der Kasseler Kripo. Hinweise zur Person des Täters, zur Herkunft oder zum Verbleib seiner markanten Bekleidung, zum möglichen weiteren Fluchtweg und auch zu dem verdächtigen Pkw nimmt das Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel, Tel.: 0561 – 9100, entgegen.

Die Überwachungskamera im Supermarkt hat Bilder aufgezeichnet, die zwar ein Erkennen des Täters nicht ermöglichen, aber deutlich die von ihm getragene Bekleidung zeigen. Dabei ist eindeutig zu erkennen, dass es sich bei der orangeroten Jacke mit den weißen Reflektoren um eine Rettungsdienstjacke handelt. Neben einer etwa gleichfarbigen Kappe mit Schild trug der Täter eine dunkle Hose und vermutlich dunkle Turnschuhe mit hellen Applikationen.  (eul)

Das sagt der Marktleiter

Valentin Ehlert wirkt erstaunlich locker. Vor wenigen Stunden ist der Inhaber des Rewe-Marktes in Rothwesten von einem Unbekannten überfallen worden. Gestresst sei er eher durch die Situation in der Folge des Überfalls, sagt der 26-Jährige aus Hofgeismar: Aussagen gegenüber Polizei und Kripo, Medienanfragen, mit der Versicherung in Verbindung setzen. Und auch viele Kunden sprächen ihn auf den Vorfall an, „so etwas bleibt nicht geheim“. Einen Schock habe er nicht erlitten wie seine Mitarbeiterin, die mit ihm zusammen so früh im Markt war, um alles für den Tag vorzubereiten. „Aber ich hatte große Angst. Auch wenn es bloß eine Spritze war, wir wurden mit einer Waffe bedroht.“ Daher sei er auch kein Risiko eingegangen, habe getan, was der Täter verlangte, und habe ihm das Geld ausgehändigt. „Dann war alles schnell vorbei, Gott sei Dank. Das ist die ganze Story.“ Nicht ganz. Denn das Angebot von Rewe will der junge Einzelhändler in jedem Fall annehmen. Er will das Geschehene nacharbeiten mit professioneller Hilfe. „Das ist ganz wichtig,“ sagt Ehlert und nimmt einen Anruf entgegen vom Handelspartner. Der rät ihm, nichts mehr zum Überfall zu sagen. (mic)

Reaktionen von Kunden des Marktes

Wann es in ihrer Stadt zuletzt einen Raubüberfall gegeben hat, kann Birgit Fritsche aus Marburg nicht sagen. Dass so etwas vor wenigen Stunden in Rothwesten passierte, wo ihr Vater lebt, für den sie einkauft, „hätte ich nicht gedacht. Das ist ja eine Sache“, sagt die 59-Jährige. Raubüberfall „in unserer kleinen Dorfgemeinschaft, das ist erschreckend und beunruhigend“, meint der Rothwestener Ullrich Siewert. Eine Spritze in Zeiten von Aids als Waffe einzusetzen, scheine immer häufiger vorzukommen. Hoffentlich werde der Täter schnell gefasst wie der Spritzenmann von den Überfällen in Kassel, sagt der 25-jährige Student. Ein Überfall so früh am Tag, da müsse der Täter den Markt vorher ausspioniert haben, glauben Silvia und Jürgen Bunzel. Ihren Dorf-Rewe zu überfallen, das finden Katja und Matthias Mittelstrasser schlimm. Aber die Hemmschwelle von Tätern sei wohl immer niedriger, meint das Paar aus Rothwesten. (mic)

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