Alleinerziehende Frauen besonders betroffen

Sozialatlas 2012: Zahl der Armen im Kreis wächst

Kassel. Die dauerhafte Armut im Landkreis Kassel nimmt zu und wird den Kreis und die Gemeinden in den kommenden Jahren vor erhebliche Probleme stellen – das sagte Kreissprecher Harald Kühlborn bei der Vorstellung des Sozialatlas 2012, der die soziale Lage im Landkreis Kassel abbildet.

So stieg die Zahl der Arbeitslosen im Kreis, die dauerhaft von Grundsicherung leben, von 1510 Menschen im Jahr 2008 auf 1605 im Jahr 2011. Es handele sich dabei um Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht arbeitsfähig und dauerhaft auf Unterstützung angewiesen seien. Auch die wachsende Gruppe von alten Menschen, die demnächst ihre Kosten für Gesundheit und Pflege nicht mehr bezahlen können, macht der Verwaltung Sorgen.

Im Norden am höchsten

Als arm gilt, wer monatlich weniger als 800 Euro zum Leben zur Verfügung hat. Bei dieser Definition von Armut stützen sich die Planer im Kreishaus auf eine EU-Maßgabe, wonach die Armutsgrenze bei 60 Prozent des Durchschnittseinkommens in Deutschland liegt.

Das Armutsrisiko ist im Landkreis Kassel im Norden am höchsten. Die meisten Armen leben in Bad Karlshafen und Hofgeismar, wo sie über acht Prozent der Bevölkerung ausmachen. Im Süden und Westen des Landkreises sieht es besser aus: Die wenigstens Armen gibt es in Fuldabrück (unter vier Prozent), auch in Zierenberg (unter fünf Prozent) ist die Lage besser.

Harald Kühlborn

Für den Sozialatlas wurden die Daten der 29 Kreiskommunen erfasst. Sie spiegeln einerseits die soziale Entwicklung in den Städten und Gemeinden wider und dienen andererseits dazu, Verbesserungen auf den Weg zu bringen, erklärt der Landkreissprecher. Das Thema Armut werde die Kommunen in den kommenden Jahren verstärkt belasten, meint er. Zwar sei die Zahl der Hartz-IV-Empfänger von 13 380 (2008) auf 11 441 (2011) gesunken. Diese Zahl sei jedoch stark konjunkturabhängig und werde bei einer Eintrübung der Wirtschaft wieder steigen. Bei der Grundsicherung sehe man dagegen eine eindeutig negative und dauerhafte Entwicklung zu mehr Unterstützungsbedürftigen.

Dreh- und Angelpunkt beim Thema Armut ist die Beschäftigungslage: Wo es Arbeit gibt, ist das Armutsrisiko geringer. Frauen sind im Landkreis stärker von Armut betroffen als Männer. Sie stellen zwei Drittel der 18 000 geringfügig Beschäftigten im Landkreis.

Rubriklistenbild: © HNA

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