Kasseler Naturfotograf: Süchtig nach Storchenbildern

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Mit Ausdauer: Mindestens einmal die Woche besucht Johannes Brenner das Storchennest (hinten) bei Sandershausen. Foto: Lischper

Niestetal/Kassel. Das Objekt seiner Begierde sitzt in 16 Meter Höhe in einem Nest aus Ästen und Gestrüpp und putzt sein Gefieder. Johannes Brenner hält den Zeigefinger auf dem Auslöser bereit.

Hundert Meter vom Storchennest entfernt, sitzt der Hobby-Naturfotograf Johannes Brenner auf einem kleinen faltbaren Camping-Hocker. Durch den Sucher seiner Kamera beobachtet er einen Storch, der nur wenige Sekunden später zum Losfliegen ansetzt.

Der perfekte Moment kann schnell vorbei sein, weiß Brenner. Seit zehn Jahren hält der gebürtige Rheinland-Pfälzer Tiere und Natur in Bildern fest. Als das künstlich angelegte Storchennest an der Fulda bei Niestetal-Sandershausen vor zwei Jahren plötzlich Störche anlockte, avancierte der leidenschaftliche Naturfotograf zum Storchen-Fan und ließ der HNA seine Bilder zukommen. Der 63-Jährige ist viel in der Natur unterwegs. Von Kassel aus, wo er mit seiner Frau lebt, macht er sich dann auf in den Landkreis. Fulda, Kragenhöfer Brücke und der Dörnberg zählen zu seinen bevorzugten Orten, um die Vielfalt heimischer Tiere zu beobachten. Und manchmal kommt es vor, dass er auch bei einem Spaziergang mit seiner Frau plötzlich auf der Stelle stehen bleibt, um ganz in seinem Element zu sein und zu beobachten.

Gebüsch als Beobachtungsort 

„Gute Bilder brauchen Zeit“, sagt er. Deshalb sitzt er auch mal mehrere Stunden an einem Ort, liegt auf der Wiese oder tarnt sich im Gebüsch. „Es ist wie eine Sucht“, gesteht er, „man wartet die ganze Zeit auf den besonderen Augenblick.“ Grundvoraussetzung für sein Hobby seien Geduld und der Mut zur Einsamkeit. „Manchmal sitze ich stundenlang da und nichts passiert“, erzählt er. Oder es wäre etwas passiert, wenn nicht ein Spaziergänger gefragt hätte, was er da sehe. „Da kann ich dann ja nur noch sagen: jetzt nichts mehr.“

Storchennest von Sandershausen

Das gespannte Warten erhöhe die Aufmerksamkeit für die kleinste Regung im Gras, Busch oder Baum. „So habe ich neulich ein Mauswiesel entdeckt“, sagt er begeistert und sucht das Bild aus seiner Mappe mit vielen DINA4-Abzügen heraus. Sofort beginnt er von dem Tier zu erzählen. Er kennt sich aus, denn nach der Entdeckung folgt bei ihm die Recherche. Im Internet und in Lexika wird dann geforscht. Sein besonderes Interesse gilt den Tieren vor der Haustür: „Bei einer Safari wird einem alles aufgetischt - hier muss ich suchen.“ Im Falle der Störche in Niestetal fällt sein Wissen größer aus, mindestens einmal in der Woche sieht er neugierig zu, wie die Storchenkinder selbstständiger werden und das Nest immer häufiger verlassen. Er weiß: Der Zeitpunkt naht, an dem die Storchenfamilie das Nest für immer verlässt. „Was da schon Leute mit ellenlangen Objektiven da waren, zum Schmunzeln“, sagt er rückblickend und fügt hinzu, „nicht die Ausrüstung zählt, sondern die innere Einstellung.“

Teiln ahme an Wettbewerben 

Um seinem Hobby eine zusätzliche Bedeutung zu geben, nimmt Brenner an Wettbewerben teil und ist Mitglied im Naturschutzbund. Dass er ein guter Beobachter ist, belegen auch seine Malereien. Besonders gelungene Fotografien setzt er um in Kreide-Gemälde. Sonnenaufgänge zum Beispiel: „So ein Sonnenaufgang ist gewaltig.“

Von Anna Lischper

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