Stefanie Flohr aus Kirchbauna nutzen ihre Sprachkenntnisse in Barcelona nur in beschränktem Maße

Katalonien – bloß nicht Spanien

Kämpft mit der katalanischen Sprache: Stefanie Flohr vor ihrer Universität in Barcelona. Foto: Flohr

Barcelona / Baunatal. Noch zu Hause hatte ich schon Bedenken, in die Hauptstadt Kataloniens (Cataluña) – nach Barcelona – zu ziehen, ohne auch nur ein Wort Katalanisch zu sprechen. Aber in der Uni solle es Anfängerkurse geben, so stand es auf der Homepage.

Sogar als ich am Flughafen ins Taxi zu meiner Wohnung stieg, war ich mir nicht sicher, ob mich der Fahrer mit meinem kastillanischen Spanisch überhaupt versteht. Doch schon auf der Autopista, so heißt hier die Autobahn, waren alle Schilder dreisprachig: katalanisch, kastillanisch und englisch. Der Taxifahrer fing bald mit mir zu plaudern an, und zwar auf Kastillanisch.

Ich erzählte ihm von meinen Bedenken, ohne die geringste Ahnung vom Katalanischen hierhergekommen zu sein. Daraufhin lachte er nur und entgegnete, dass er schon über zehn Jahre hier lebe und selbst kein Katalanisch spreche. Daraufhin war ich erst einmal unendlich erleichtert.

Mischung, kein Dialekt

Katalanisch ist dem Kastillanischen zwar sehr ähnlich, seine Aussprache ist jedoch ganz anders. Eine Mischung aus Portugiesisch, Französisch und Spanisch. Es ist auch kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache, auf die die Katalanen besonders stolz sind.

In der ersten Woche kam ich beim Einkaufen oder auf der Straße ohne Probleme zurecht. Selbst in der Innenstadt sind die meisten Schilder dreisprachig, also gar kein Problem. Bis die Uni losging.

Ich habe darauf geachtet, dass ich nur Kurse auf Englisch oder Kastillanisch wähle. Gleich am ersten Tag wurde uns ausländischen Studierenden dann eröffnet, dass es keine Möglichkeit gibt, einen Katalan-Kurs zu besuchen – alle ausgebucht. Na super. Zudem wurde uns sofort deutlich gemacht, dass die Universidad Pompeu Fabra eine dreisprachige Universität ist – also Katalanisch, Kastillanisch und Englisch gesprochen wird.

Dann begann mein erster Kurs. Der Professor ist Franzose, um die 40, einstiger professioneller Kletterer, der danach als Berater eines Ölkonzerns arbeitete. Solche Praktiker des Wirtschaftslebens kenne ich von Kassel nicht.

Für Weltbank tätig

Auch in der nächsten Vorlesung erwartete mich eine Überraschung. Unser Professor unterrichtet auch in Yale (USA) und ist parallel noch als Berater der Weltbank tätig. Und den Kurs, der ursprünglich auf Kastillanisch sein sollte, möchte er gern auf Katalanisch halten. Da hätte doch keiner etwas dagegen, oder?

Nach erfolglosen Beschwerden mehrerer Studierender entgegnete er lediglich, dass wir doch froh sein könnten, überhaupt einen Kurs bei ihm besuchen zu können. Er als Katalane spreche nun mal Katalanisch, und wir befänden uns an einer dreisprachigen Uni. Ja, die stolzen Katalanen, die aktiv für die Unabhängigkeit Kataloniens kämpfen, trifft man hier überall.

Besonders die ältere Generation reagiert auf alles Kastillanische beinahe allergisch. Die Jüngeren freuen sich, wenn man als Ausländer die Geschichte Kataloniens kennt und bloß nicht alle Spanier als gleich ansieht.

Einige Wörter Katalanisch habe ich inzwischen gelernt. Adéu – das heißt „Auf Wiedersehen“.

HINTERGRUND ZUR PERSON

Von Stefanie Flohr

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