Katzenhilfe: "Niemand darf privat einfach Fallen aufstellen"

Um Vermehrung zu stoppen: Baunatalerin lässt zugelaufene Katzen kastrieren

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Sucht ein neues zu Hause: Tigerkater „Tiger“ ist einer Rentnerin aus Baunatal im vergangenen Herbst zugelaufen.

Baunatal. Es werden immer mehr: Fünf streunende Katzen sind einer Baunataler Rentnerin bereits zugelaufen. Ihr Igelfutterplatz im Garten hat sie angelockt. Alle Tiere ließ sie kastrieren und hat sie dann behalten.

An ihrem vorigen Wohnort fing sie wilde Katzen mit Fallen ein, um sie unfruchtbar zu machen und so zu verhindern, dass es immer mehr von ihnen gibt.

Auch die Guxhagener Katzenhilfe fängt herrenlose Tiere ein und kastriert sie, fast 1500 Stück in den vergangenen fünf Jahren. Die Vorsitzende Johanna Büchling betont, die Aktion sei notwendig. In Eigenregie solle man aber nicht vorgehen: „Niemand darf privat einfach Fallen aufstellen. Unsere Lebendfallen sind alle gekennzeichnet und nur geschulte Personen dürfen sie betreuen.“

Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die mit Fallen Jagd auf Streuner machen. Und nicht alle sind Tierfreunde wie die Baunataler Rentnerin. „Vielen sind die Tiere einfach verhasst“, sagt Büchling. „Streunende Katzen sind ein Problem. Sie machen in Gärten, betteln um Futter und können Krankheiten übertragen.“ Auch deshalb will die Katzenhilfe ihre Population durch Kastrationen verkleinern. „Es gäbe sonst bald eine immense Zahl von ihnen“, sagt Büchling.

Werden fremde Katzen eingefangen und kastriert, stellt sich die juristische Frage, ob es sich um Fundtiere oder herrenlose Tiere handelt, die wirklich niemandem gehören. „Fundtiere sind einem Besitzer entlaufen oder von ihm ausgesetzt worden“, sagt Dr. Karl-Josef Frankenberg, Amtstierarzt beim Veterinäramt des Landkreises Kassel. „Herrenlos sind Tiere, die schon wild geboren wurden.“ Fundtiere müssen den Behörden gemeldet werden. Die Katzenhilfe schaltet auch Annoncen in der Zeitung und wartet ab, ob sich ein Besitzer meldet. Wenn niemand reagiert, sei die Kastration gerechtfertigt, sagt der Amtstierarzt.

Würde sich ein Besitzer nachträglich melden und Schadensersatz verlangen, müsse er auch die Unterbringung der entlaufenen Katze im Tierheim bezahlen. Deshalb gebe es das selten, sagt Frankenberg. Trotzdem werde bei teuren Rassekatzen aber etwas länger mit der Kastration gewartet. Auch wenn jemand privat eine Katze kastrieren lässt, die nicht herrenlos ist, kann sich deren Besitzer nachträglich melden und Schadensersatz verlangen. Um das Problem der Streuner endgültig in den Griff zu bekommen, fordert Büchling im Landkreis die Umsetzung des „Paderborner Modells“: Im ostwestfälischen Paderborn, wie inzwischen in neun weiteren deutschen Städten, dürfen Katzen nur frei laufen, wenn sie kastriert und gekennzeichnet sind. Auch Amtstierarzt Frankenberg würde das befürworten. „Die Kastrationspflicht für Freigänger wäre sinnvoll. Sogar die Landestierschutzbeauftragte spricht sich für entsprechende Regelung in Hessen aus.“ Die Baunataler Rentnerin kann sich weitere Zugänge vorerst nicht mehr leisten: Sie will nun eine ihrer fünf Katzen in gute Hände weitervermitteln.

Paderborner Modell

Die Katzenhilfe in Guxhagen nimmt am Projekt Kitty Teil. Die bundesweite Initiative hat der Verein „Aktion Tier - Menschen für Tiere“ im Jahr 1993 ins Leben gerufen. Im Rahmen des Projekts werden Futterstellen für wild lebende Katzen eingerichtet. Die Tiere werden medizinisch betreut und jährlich werden etwa 4000 Straßenkatzen kastriert. Der Verein „Aktion Tier“ setzt sich für eine gesetzliche Regelung nach dem „Paderborner Modell“ ein. Dort ist es Katzenhaltern vorgeschrieben, Freigänger Katzen kastrieren zu lassen und mit einem Mikrochip oder einer Tätowierung kennzeichnen zu lassen. Dem Paderborner Beispiel folgten bereits acht weitere Städte. Auch in Göttingen wurde bereits über die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht diskutiert.

Von Irene Habich

Kontakt: Katzenhilfe Guxhagen, Auf dem Loh 11, 34302 Guxhagen, Telefon 0 56 65/29 94,

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