Lossetalgemeinde erfüllt Kriterien

Kaufungen könnte Stadt werden

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Bald Wirklichkeit? Die Bezeichnung auf dem Ortsschild würde Kaufungen als Stadt ausweisen.

Kaufungen. Als Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann vor zwei Jahren die Festrede zum 1000-jährigen Bestehen Kaufungens hielt, sprach die CDU-Politikerin konsequent von der „Stadt Kaufungen“.

Und auch Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) adelte unlängst in einem Brief zur A 44-Problematik seine Heimatgemeinde. In dem Schreiben war ebenfalls von der Stadt Kaufungen die Rede. Doch es sind nicht allein prominente Politiker, die irrtümlich davon ausgehen, dass der 12 447 Einwohner zählende Ort längst über die Stadtrechte verfügt. Auch so manche anderen Besucher - beispielsweise jene, die zu Kulturveranstaltungen im historischen Stiftsareal anreisen - halten Kaufungen für eine Stadt.

Aber hätte die 1970 aus Ober- und Niederkaufungen sowie Papierfabrik entstandene Großgemeinde denn überhaupt eine Chance, die Stadtrechte zu erlangen? „Ja, durchaus“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage. Seiner Einschätzung erfüllt der 1002 Jahre alte Ort, der einst bedeutender als Kassel war, die Kriterien für die Verleihung der Stadtrechte. Definiert sind die Kriterien in Paragraf 13 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) - allerdings ziemlich schwammig. Laut Gesetzestext kann die Landesregierung die Bezeichnung „Stadt“ an Gemeinden verleihen, „die nach Einwohnerzahl, Siedlungsform und Wirtschaftsverhältnissen städtisches Gepräge tragen“.

Schon einmal Thema: Vor dem Zusammenschluss von Ober- und Niederkaufungen zur Großgemeinde Kaufungen wurde im Herbst 1970 darüber debattiert, ob die Stadtrechte beantragt werden sollen. Die Initiative ging seinerzeit von Oberkaufungen aus. Die HNA berichtete über die Diskussion.

• Einwohnerzahl: Bei der Einwohnerzahl gibt es laut Kühlborn „keine klare Grenze“. Während man früher von einer Mindestzahl von 10 000 Einwohnern ausgegangen sei, hätten heute auch kleinere Kommunen eine Chance. Beispiel Florstadt in der Wetterau: Der Ort wurde 2007 zur Stadt erhoben - mit gerade mal 8800 Einwohnern.

Fazit: Diese Hürde würde Kaufungen locker nehmen.

• Siedlungsform: Kaufungen hat zwar zwei alte Dorfkerne, ansonsten unterscheiden sich die Wohngebiete aber kaum von denen einer Stadt.

Fazit: An der Siedlungsform würde die Umwandlung Kaufungens in eine Stadt kaum scheitern.

• Wirtschaftsverhältnisse: Ist die Wirtschaft einer Gemeinde eher land- und forstwirtschaftlich orientiert, kann dies laut Kühlborn der Verleihung der Stadtrechte entgegenstehen. In Kaufungen dominieren dagegen Industrie (vor allem im Gewerbegebiet Papierfabrik), Handel und Dienstleistungen.

Fazit: Kein Hinderungsgrund ersichtlich.

Kühlborn lässt durchblicken, dass die vom hessischen Innenministerium geforderte Stellungnahme des Kreises im Fall von Kaufungen positiv ausfallen würde. Neben dem Landkreis würde auch das Regierungspräsidium um seine Einschätzung gebeten. Für Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß (SPD) ist das Thema nicht akut. Kaufungen habe städtische Strukturen entwickelt, sich gleichzeitig aber auch seinen dörflichen Charakter bewahrt. Diese Kombination, die den Kaufungern wichtig sei, drücke sich auch in der Bezeichnung „Gemeinde“ aus. Von Peter Ketteritzsch

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