Straße soll auf einer Länge von drei Kilometern erneuert werden

58 Mal Verdacht auf Blindgänger zwischen Windhausen und Niederkaufungen

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Alles untersucht: Anfang März fuhr Eugen Hermes mit einem Spezialgerät die Kreisstraße zwischen Gut Windhausen und Niederkaufungen ab. Dabei wurden fast 60 Verdachtspunkte festgestellt, an denen Kampfmittel aus dem Krieg liegen könnten. 

Niestetal/Kaufungen. Eine Woche hatte Eugen Hermes von der Kampfmittelbeseitigungsfirma Lutomsky aus Warburg mit seinem Messwagen jeden Meter der Kreisstraße abgefahren.

Mithilfe elektromagnetischer Wellen spürte er zwischen Gut Windhausen und dem Ortsrand von Niederkaufungen verdächtigen Gegenständen unter dem Asphalt nach, bei denen es sich um Bomben und andere gefährliche Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg handeln könnte.

Jetzt liegt das Ergebnis der Untersuchungen mit dem Spezialgerät vor, und es lautet: Die Bauarbeiter, die demnächst die Straße auf einer Länge von drei Kilometern erneuern werden, müssen vorsichtig sein.

Denn zwischen Windhausen und Niederkaufungen wurden insgesamt 58 Verdachtspunkte gefunden. Das erklärte Harald Kühlborn, Sprecher der Kreisverwaltung, auf HNA-Anfrage. Zum Vergleich: Im Vorfeld der Straßensanierung zwischen Heiligenrode und dem Abzweig zu Gut Windhausen im vergangenen Jahr hatte die Spezialfirma keinen einzigen Verdachtspunkt ermittelt.

Das Ergebnis des aktuellen, über 60 Seiten starken Gutachtens für die sanierungsbedürftige Straße bedeute allerdings keineswegs automatisch, dass überall Kampfmittel liegen. „Es können auch andere metallische Gegenstände sein“, sagte Horst Sinemus, Sprecher der Straßenbaubehörde Hessen Mobil.

Viele Verdachtspunkte: Im Bereich von Gut Windhausen schlugen die Spezialgeräte häufiger an. 

Fest stehe lediglich, dass Besonderheiten unter dem Asphalt festgestellt worden seien. Die Auswertung der Ergebnisse förderte laut Sinemus eine Besonderheit zutage. Demnach gibt es zwei Bereiche im Verlauf der Kreisstraße, in denen gehäuft Verdachtspunkte registriert wurden: den Bereich bei Gut Windhausen und einen Bereich weiter südlich zwischen dem Diebachsgraben und der Einmündung zu den Aussiedlerhöfen im Tannengrund. Dazwischen liegt am Rande des Waldgebiets Ebeskammer ein Ausbildungsplatz für den Hundesport.

Nicht weit von den beiden stark betroffenen Bereichen befanden sich im Zweiten Weltkrieg zwei Flakstellungen, die die Großstadt Kassel vor feindlichen Flugzeugen schützen sollten: eine am Mühlenberg in der Nähe des Abzweigs zur Kreisstraße zwischen Heiligenrode und der Sensenstein-Kreuzung, die andere südwestlich des Tannengunds oberhalb von Niederkaufungen.

Die Stellungen sind auch auf den Luftbildern zu erkennen, die Aufklärungsflugzeuge der Alliierten nach den Bombenangriffen gemacht haben.

Die Fotos aus britischen und amerikanischen Archiven liegen dem Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen in Darmstadt vor und dienen als Grundlage für die Untersuchung der Flächen.

Die Experten sichten die Bilder und entscheiden dann, ob die Bereiche sondiert werden müssen. Im Fall der beiden Kreisstraßen zeigen die Luftbilder zahlreiche Bombentrichter.

Laut Kreissprecher Kühlborn sollen die Bauarbeiten Anfang Juli beginnen und bis Ende August dauern. Die Kosten beziffert die Kreisverwaltung mit rund 800.000 Euro.

Bombenwurfgebiet im zweiten Weltkrieg. Um die komplette Grafik zu sehen, bitte das Bild in der rechten oberen Ecke vergrößern.

Straßenbelag vorsichtig abheben

Was bedeuten die Erkenntnisse aus der Untersuchung nun für die anstehenden Bauarbeiten an der Kreisstraße zwischen Windhausen und Niederkaufungen? „Die Bauarbeiter werden an den Stellen, die als Verdachtspunkte ausgewiesen sind, den Straßenbelag sehr vorsichtig abheben“, sagte Kreissprecher Kühlborn. 

• Stoßen sie auf Munitionsteile, dürften diese von den Baufirmen selbst geborgen, müssten aber regisitriert werden. 

• Bei Weltkriegsmunition, die nicht transportfähig ist, müsse umgehend der Kampfmittelräumdienst des Landes alarmiert werden. Die Experten kümmerten sich dann um die Bergung und Entsorgung der Kampfmittel, so Kühlborn. Die mit der Sanierung der Kreisstraße beauftragten Baufirmen wüssten im Übrigen, dass sie auf möglicherweise problematischem Untergrund arbeiten. Kühlborn: „Das ist Teil der Ausschreibungen.“ 

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