Land gegen Alternativtrasse

A44: Nein zu Verlauf zwischen Oberkaufungen und Kassel-Mitte

Bevorzugte Variante: Das Land will den Anschluss bei Papierfabrik. Archivfoto: Ketteritzsch

Kaufungen. Weil sich die Diskussion um den künftigen Verlauf der A44 zwischen Kassel und Helsa seit Monaten im Kreis dreht, kommt jetzt noch mal alles auf den Prüfstand.

Wie berichtet, wird Hessen Mobil bis März 2016 alle Varianten noch einmal nach einem einheitlichen Kriterienkatalog bewerten. Die größte Brisanz hat dabei die Untersuchung der sogenannten H-Trasse.

Die von der Bürgerinitiative (BI) Pro A44 propagierte Variante schwenkt in der Nähe der Kunstmühle bei Oberkaufungen von der von Hessen Mobil vorgeschlagenen Lossetaltrasse ab, führt am Stiftswald und an der Söhre entlang direkt zum Autobahnkreuz Kassel-Mitte. Doch was passiert, wenn sich die H-Trasse bei der Bewertung als die beste Variante erweisen würde?

Beim Land Hessen kann man dem BI-Vorschlag ungeachtet des Prüfungsergebnisses nichts abgewinnen. „Die H-Trasse wurde schon vor Jahren geprüft und verworfen“, sagte Wolfgang Harms, Sprecher von Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), auf HNA-Anfrage.

An der Überzeugung, dass die Trasse nicht geeignet sei, habe sich seitens des Landes nichts geändert. In Wiesbaden warnt man zudem vor weiteren Verzögerungen beim Bau der Autobahn im unteren Lossetal, deren Planung bereits kurz nach der Wiedervereinigung vor 25 Jahren begann.

Eine Entscheidung für die H-Trasse würde laut Verkehrsministerium bedeuten, „dass die Planung ganz von vorn beginnt“. Ministeriumssprecher Harms: „Da reden wir von zehn Jahren.“

Wird noch mal bewertet: Unweit der Kunstmühle bei Oberkaufungen soll die Autobahn nach dem Willen der BI Pro A 44 von der geplanten Trasse abschwenken und zum Kreuz Kassel-Mitte geführt werden. Archivfoto: Brauner

Zunächst müsste demnach eine „Groblinie“ bestimmt werden, im anschließenden Planfeststellungsverfahren würden dann die Einflüsse der Autobahn auf Natur und Umwelt, Wasser, Ver- und Entsorgungsleitungen sowie Grundstücke geprüft.

Die Bürgerinitiative hält eine Verzögerung um wenige Jahre dagegen für hinnehmbar - wenn dadurch die aus ihrer Sicht bessere Variante verwirklicht werden kann.

Bürger in der Söhre besorgt 

Was die BI unerwähnt lässt, sind die zu erwartenden Proteste in Söhrewald und Lohfelden gegen eine Autobahntrasse zwischen Wellerode und Vollmarshausen. Nach HNA-Informationen haben sich seit Bekanntwerden der neuerlichen Prüfung aller Varianten mehrere besorgte Bürger aus den Söhrekommunen an Hessen Mobil gewandt.

Auch die Tatsache, dass zurzeit im Hinblick auf die Vorzugstrasse für den zusätzlichen Verkehr für rund 50 Millionen Euro riesige Lärmschutzwände an der A7 zwischen Kassel-Ost und Kassel-Mitte entstehen, spielt in der Argumentation der BI keine Rolle.

Das sind die Varianten:

Die Teilnehmer des von Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) angeregten Dialogverfahrens zur Autobahn 44 im unteren Lossetal (Land, Hessen Mobil, Anrainerkommunen, Bürgerinitiativen und Umweltverbände) haben sich darauf verständigt, sämtliche Varianten noch einmal von Hessen Mobil bewerten zu lassen. Geprüft werden:

• die von Hessen Mobil erarbeitete Vorzugstrasse;

• die von der BI Pro A44 vorgeschlagene H-Trasse;

• der Erhalt der heutigen Bundesstraße 7 als Umleitungsstrecke bei Unfällen und Baustellen auf der A44; Ziel: Entlastung der Ortsdurchfahrten von Oberkaufungen und Helsa;

• Einhausung der A44 (Trog mit Deckel) bei Oberkaufungen;

• Varianten zur Autobahn-Anschlussstelle Kassel-Ost (Alternativen zum geplanten Autobahndreieck Kassel-Ost); Bewertungskriterien sind die Schutzgüter Mensch, Wasser, Natur im Allgemeinen sowie die Kosten. Die Ergebnisse der Bewertung sollen im März 2016 vorgestellt werden.

Archivvideo: So soll die Trasse verlaufen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.