Drittes Bürgerforum fand in Kaufungen statt

AfD-Veranstaltung: Demonstranten erschwerten Diskussion

Kaufungen. Weit mehr Beachtung von Gegendemonstranten als die vorherigen fand das dritte Bürgerforum der AfD im Landkreis Kassel. Rund um die Gaststätte Hessenperle in Kaufungen sammelten sich AfD-Kritiker - drinnen fand eine rege Diskussion statt.

„Ich würde gern alle reinlassen und mit ihnen diskutieren“, sagte Florian Kohlweg. Der 20-jährige Chef der AfD im Landkreis Kassel hatte für Donnerstagabend zum dritten Bürgerforum in die Gaststätte Hessenperle in Kaufungen eingeladen. Der abgetrennte Raum des Gasthauses war schnell gefüllt – mit etwa 30 Personen, darunter AfD-Mitglieder, von denen es laut Kohlweg in Kaufungen etwa neun gibt, mit Interessenten und mit Gegnern. Vor Kopf nahmen neben Kohlweg fünf Fraktionsmitglieder Platz.

Etwa dreimal so viele Menschen hielten sich während der fast dreistündigen Veranstaltung draußen auf, störten mit Trommeln, Pfeifen und Gegröle („Nationalismus raus aus den Köpfen“) das Bürgerforum und erschwerten die Diskussion. Auf „Empfehlung der Polizei“, so Kohlweg, sei es nicht möglich gewesen, mehr Leute von Demonstrantenseite ins Haus zu lassen. Zwei Männer, die scheinbar aus dieser Gruppe stammten, wurden noch vor Beginn des Abends des Raumes verwiesen, etwa eine Handvoll AfD-Kritiker durften sitzenbleiben. „Angst habe ich nicht“, sagte Kohlweg auf HNA-Nachfrage, aber er müsse von seinem Hausrecht Gebrauch machen, um die Sicherheit seiner Gäste nicht zu gefährden.

Während draußen rund 20 Polizisten „mit schlichtenden Worten eine Eskalation der Gegenveranstalter vermieden“, wie Polizeisprecher Torsten Werner berichtete, herrschte drinnen eine diskussionsfreudige Atmosphäre beim Geruch von Schnitzel und Pommes. Kreistagsmitglied Volker Richter, der auch im Fuldabrücker Gemeindeparlament sitzt, schob die Demonstration auf die Medien: „Sie stellen uns dar, wie wir nicht sind.“ Dabei wolle man einfach nur Bürgerpolitik machen, arbeite dafür auch mit den anderen Parteien zusammen.

Kritiker konfrontierten die AfDler mit Zitaten aus dem Bundesprogramm und öffneten immer wieder die Fenster, sodass der Lärm von draußen eindrang. Politik könne nicht alternativlos sein, so Richter zu „ungünstigen Äußerungen“ der Bundes-AfD wie dem Schießbefehl. Deutschland brauche laut Kohlweg qualifizierte Flüchtlinge, sie sollten wie Menschen behandelt werden. Deshalb müsse man denen, die in Gefahr sind, Schutz gewähren. Auf die Frage, ob die Kreis-AfD, wie die Partei auf Bundesebene, Stellen für Klimaschutzbeauftragte streichen will, gab es keine Antwort.

Einen Großteil der Bälle bei der Diskussion spielten sich die Gäste gegenseitig zu – vor allem, wenn es um AfD-kritische Äußerungen ging, meldeten sich deren Sympathisanten zu Wort. „Flüchtlinge müssen verstehen, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist“, sagte ein Mann. Ein anderer betonte, man dürfe den Völkern, aus denen Flüchtlinge kommen, nicht die Menschen wegnehmen.

Nach dem Bürgerforum empfahlen Polizisten den Gästen, achtsam das Haus zu verlassen. Einige Demonstranten wurden von Beamten vom Gasthaus wegbegleitet.

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