Zwei mal 80 Meter Kabel

Malochen für den Telefonanschluss: Arbeiter reparieren Helsas Telekom-Leitung

Ziemlich viele Drähte: Elektriker Andreas Fleck zeigt, wie ein Kabel von innen aussieht. Fotos: Christopher Hess

Kaufungen/Helsa. Wenn die Telefonleitungen streiken, sind Muskelkraft und Präzision gefragt. Wir haben die Reparaturarbeiten nach der Telekom-Störung in Helsa begleitet.

Mit Schweiß auf der Stirn ziehen die fünf Arbeiter an dem 80 Meter langen Kabel. Ihre Aufgabe an diesem Tag: Die Telekom-Störung in Helsa beheben. Seit dem 10. September sind dort zahlreiche Festnetz- und Internetverbindungen tot. Grund dafür: Eine Muffe, die nach einem Unwetter am 6. September komplett mit Wasser vollgelaufen war.

Stück für Stück befördern die Arbeiter – zwei Tiefbauarbeiter und drei Telekommunikations-Elektriker – das Kabel von der großen Trommel den Hang im Wald entlang nach unten. Dann werfen sie es über den Berg aus Erde in den etwa einen halben Meter tiefen Graben, der sich über eine Länge von fast 80 Metern erstreckt. „Was ist das Ding schwer“, sagt Andreas Fleck, einer der Elektriker, leicht nach Luft schnappend und mit einem Teil des Kabels über der Schulter. Seine Kollegen nennen ihn hier „Flecki“. Dass das Kabel so schwer ist, überrascht nicht: Immerhin versorgt es 2000 Haushalte mit Festnetz. 2000 einzelne Adern, spaghettidünn, eingepackt in eine Aluminium- und Kunststoffschale, verlaufen durch das Kabel. Eine Ader, ein Festnetz.

„Die Leute denken, das macht sich dann von alleine. Morgens die Störung, mittags soll es wieder gehen“, sagt Tiefbauer Klaus (sein Vorname reiche, denn hier wird sich geduzt)

Wie viel Arbeit wirkich dahinter steckt, ist den meisten aber unklar. 80 Meter Kabel zerstörte die nasse Muffe. Die gilt es auszutauschen und das neu eingelegte Kabel mit dem alten zu verspleißen. Spleißen ist das nicht lösbare Verbinden zweier Kabel. Drei Arbeitstage dauert der Vorgang: „Gestern haben wir die Störung geprüft, heute Morgen die Stelle aufgebuddelt, jetzt wird das Kabel verlegt und dann gespleißt“, erklärt Elektriker-Kollege Lars (Nachname: Ullrich) in einer Pause. „Ein Kippchen, dann geht’s weiter.“

Gesagt, getan: Vom Pausenplatz gehts zurück an die Arbeit. Kraftvoll werfen sie das ausgerollte 80-Meter-Kabel in den Graben unmittelbar vor ihnen. Trotz all der Wucht darf die Sorgfalt nicht zu kurz kommen. Vor allem muss geprüft werden, ob das Kabel richtig ausgelegt ist. Mit geschultem Blick läuft Klaus am Kabel entlang. „Alles top!“

Danach wird das neue Kabel mit dem alten zusammengelötet. Nach und nach nimmt „Flecki“ farbige Kabelbinder aus seinem Behälter, der einem Arztkoffer gleicht und stülpt sie über die Bündel aus Adern. Die dienen beim Verspleißen der Orientierung – weiß zu weiß, gelb zu gelb. Dann holt er die große Spleißmaschine aus seinem Werkzeugkoffer und befestigt sie an der Seite des neuen Kabels. „Amt im Rücken, rechts herum“, murmelt der Elektriker vor sich hin, als er Ader für Ader auf die Leisten der Maschine legt. Die klassische Eselsbrücke für das Kabelverlöten, erklärt er. Der Vorgang wiederholt sich und zieht sich über Stunden: Adern des neuen Kabels auf die Leiste legen, Zwischenteil drüber, Adern des alten Kabels drüber, das zu verbinden gilt und per Handpresse zusammenspleißen.

„Für 100 Adern brauchen wir 45 Minuten“, ruft Lars. Bis in die Abendstunden sind „Flecki“ und er im Einsatz, während die Tiefbauer das frisch verlegte Kabel Stück für Stück mit Sand zuschütten. Nach Stunden des Spleißens war’s das für den Tag. „Morgen bekommen wir das Ding fertig“, sagt Elektriker Lars erschöpft.

Das sagt die Telekom: Anteilige Erstattung für Betroffene

„Wir erstatten den Betroffenen anteilig ein Eentgeld“, sagt Stephan Althoff, Pressesprecher der Telekom. Wenn ein Telekom-Kunde aufgrund der Störung von 30 Tagen nur an zwölf Tagen Festnetz- und Internethatte, dann werden ihm auch nur die zwölf Tage in Rechnung gestellt. „Es kann sein, dass die Erstattung nicht direkt bei der kommenden Rechnung dabei ist“, erklärt Althoff. Die Bearbeiterung nehme Zeit in Anspruch.

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