Zu lange Wege 

Aus des Schlachthofs Kassel macht es Hausschlachtern schwer

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Schlachten selbst in Kaufungen: Wolfgang Göhler (von links), Horst Viehmann, Joachim Söder, Hartmut Sperber, Helmut Ziegler und Helmuth Viehmann. Dass der Schlachthof in Kassel schließt, stellt sie vor Probleme. 

Kaufungen. Helmuth und Horst Viehmann haben in diesen Tagen zum letzten Mal ein Schwein zum Schlachthof nach Waldau gebracht. Der letzte Schlachttag ist dort am 26. Februar, sein Aus ist besiegelt.

Das ist für die Viehmanns ein großes Problem. Denn sie wollen auch in der nächsten Saison, die im Herbst beginnt, für den Eigenbedarf auf ihrem Hof in Kaufungen schlachten. „Wir müssen uns eine Alternative suchen, wer uns die Schweine nun hakenrein macht, oder eben wieder alles selber machen“, sagt Horst Viehmann. 

Hakenrein bedeutet, dass das Schwein getötet und ausgeblutet ist, die Innereien herausgenommen und die Borsten abgeschabt worden sind. Letzteres geschieht beim Schlachthof mithilfe einer Brühmaschine. Dort werden die Schweine in über 60 Grad heißem Wasser abgebrüht und so die Borsten entfernt.

Das ist auch der Schritt, der den Viehmanns und anderen Hausschlachtern besonders Probleme bereitet, sagen die Brüder. Denn: „Es machen zwar auch Metzger Tiere hakenrein, aber sie haben meist zu kleine Brühtröge.“ Das heißt, dass die Fleischer oft nur Schweine bearbeiten würden, die weniger als fünf Zentner wiegen.

Zu anderen Schlachthöfen, zum Beispiel nach Warburg, wollen die Viehmanns ihre Tiere nicht bringen, da die Wege zu weit seien. „Das ist viel zu zeitaufwendig, da geht ja schon ein Tag nur für den Transport drauf.“ Denn die Tiere werden zum Schlachthof gebracht, wenige Stunden später geschlachtet und hakenrein gemacht, und dann gleich wieder zur Weiterverarbeitung abgeholt. Für die Schweine seien die längeren Wege ebenfalls schlecht, weil sie mehr Zeit unter Stress stünden, sagt Viehmann.

Wenn die Brüder keine Alternative finden, wollen sie wieder schlachten „wie früher“, sagen sie. Das heißt, sie würden ihre Schweine selbst töten, ausnehmen und abbrühen. „Das können wir aber aus Altersgründen eigentlich nicht leisten, weil das eine sehr schwere Arbeit ist. Doch wenn uns nichts anderes übrig bleibt, müssen wir es wohl so machen.“

Obermeister Dirk Nutschan von der Fleischer-Innung Kassel kann die Aufregung der Viehmanns nicht verstehen. „Bis nach Warburg zum Schlachthof zu fahren, sollte kein Problem sein“, sagt er. „Das sind gerade mal 50 Kilometer, und die Strecke ist gut zu fahren.“ Nutschan räumt ein, dass einige Metzger Schweine nur bis zu einem bestimmten Gewicht annehmen, um sie für die Weiterverarbeitung vorzubereiten. „Manche befürchten, dass bei zu schweren Schweinen ihre Maschinen kaputtgehen.“ Alles selbst zu machen, wie es den Viehmanns vielleicht bevorsteht, hält auch er für schwer. „Selbst ein Schwein zu schlachten, dauert eineinhalb Stunden“, sagt er, „beim Schlachthof dagegen nur drei Minuten.“ Außerdem sei es eine sehr schwere Arbeit.

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