Versteigerung an Unbekannten

Bahngrundstück in Oberkaufungen ist für 82.000 Euro verkauft

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Der Bahnhof Oberkaufungen: Auf der linken Seite der Gleise liegt das rund 5750 Quadratmeter große und lang gezogene Grundstück, das jetzt für 82 000 Euro verkauft wurde. Es reicht bis knapp vor das alte Bahnhofsgebäude in der Bildmitte, der Holzschuppen links daneben gehört noch zum Grundstück. Auf der rechten Seite der Gleise liegt das Areal, um dessen Kauf sich die Gemeinde Kaufungen bemühen will.

Kaufungen. Das rund 5750 Quadratmeter große, lang gestreckte Grundstück am ehemaligen Bahnhof Oberkaufungen zwischen Tramstrecke und dem Oberen Struthweg ist verkauft.

Veräußert wurde das Gelände für 82 000 Euro bei einer Auktion. Die Deutsche Bahn hatte das Berliner Auktionshaus Karhausen mit dem Verkauf beauftragt. Das Mindestgebot hatte bei 15.000 Euro gelegen.

Wer das Grundstück erworben hat, ist unbekannt. Auch, was der Käufer mit dem Areal vorhat. Matthias Knake, Chef des Berliner Auktionshauses, war bis zuletzt für ein Gespräch mit der HNA nicht zu erreichen. Die Gemeinde Kaufungen kommt als Käufer nicht infrage, sie hatte sich schon im Vorfeld öffentlich von einem Kauf distanziert.

Bei dem Gelände handelt es sich um eine ehemalige Ladestraße – teils gepflastert, teils inzwischen mit Buschwerk verwildert. Bebaut ist das Gelände nur mit einem kleinen Holzschuppen und einer Laderampe. Das Exposé des Auktionshauses wies die Fläche als bahngewidmet aus. Das heißt: Die Fläche unterliegt Bahnbetriebszwecken und ist von diesen Zwecken (noch) nicht freigestellt.

Das macht zunächst eine Bebauung mit Wohnhäusern oder Gewerbebetrieben unmöglich. Eisenbahnanlagen unterliegen dem Fachplanungsrecht des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (§ 18 AEG), das Nutzungsmöglichkeiten jenseits von Bahnbetriebszwecken ausschließt. Daher sind Eisenbahnanlagen auch der Planungshoheit der Kommunen entzogen, selbst wenn sie schon lange – wie in Kaufungen – stillgelegt sind.

Erst durch eine Freistellung der Fläche wird dieser Sonderstatus aufgehoben und die Kommune erhält die Planungshoheit zurück. Eine Freistellung kann dann erwirkt werden, wenn neben der Stilllegung zusätzlich noch ein langfristig ausbleibendes öffentliches Interesse an dem Gelände als Bahn-Verkehrsfläche nachgewiesen werden kann. Gut möglich, dass genau das jetzt der neue Käufer versuchen wird.

Für eben diesen Fall wird die Gemeinde Kaufungen nun einen Bebauungsplan mit Veränderungssperre für das Areal aufstellen. Ein entsprechender Aufstellungsbeschluss wird in der Gemeindevertretersitzung am 16. November gefasst. Darauf einigten sich die Gemeindevertreter einstimmig bei ihrer Sitzung am vergangenen Mittwoch. Damit sollen Bauvorhaben des neuen Käufers auf dem alten Bahnhofsgelände verhindert werden, die nicht mit den Vorstellungen der Kommune übereinstimmen. Die Veränderungssperre macht zudem Änderungen im Bebauungsplan unmöglich.

Schon einmal – vor rund 20 Jahren – hatte die Gemeinde Kaufungen versucht, Grundstücke am Bahnhof Oberkaufungen von der Deutschen Bahn zu erwerben. Der Kauf kam aber nie zustande. Sogar ein Bebauungsplan war aufgestellt worden, trat aber nie in Kraft. Grund: Alle Bemühungen, die Bahnflächen freistellen zu lassen, scheiterten.

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