Baumpflanzaktion: „Zeichen gegen die Zerstörung“

Wollen die Kinder aufklären: Benjamin Matoff und Mirjam Zastrow vom Verein Kopfstand.

Kaufungen. Während eines naturpädagogischen Workshops der Ernst-Abbe-Schule in Oberkaufungen haben die Grundschüler der Klasse 4b Fauna und Flora im Forst kennengelernt.

Doch es ging auch um ein brisantes politisches Thema: Der geplante Bau der A 44, die den Stiftswald durchschneiden wird, stand auf dem Programm des vom Verein „Kopfstand“ im Auftrag der Schule durchgeführten Workshops. Die Schüler pflanzten Baumsetzlinge oberhalb der künftigen Autobahntrasse.

Der Verein Kopfstand hat die HNA zu der Aktion mit dem ausdrücklichen Hinweis auf den Autobahnbau eingeladen. Man wolle mit der Aktion ein „Zeichen“ gegen unnötige Zerstörung von Ökosystemen setzen. War das eine Protestaktion gegen den umstrittenen Autobahnbau durch den Wald? Die Lehrerin der Klasse 4 b weist das von sich. In diesem Falle hätte sie mit ihrer Klasse gar nicht an der Pflanzung teilgenommen, sagt die Pädagogin und verweist im Übrigen an die Schulleiterin.

Pflanzaktion als Signal gegen Waldzerstörung: Förster Hellmold zeigte den Grundschülern die Eichensetzlinge, die sie auf einer Schonung im Stiftswald später einpflanzten. Fotos: Dilling

Der Pflanzort sei allein nach forstlicher Zweckmäßigkeit ausgewählt worden, im Übrigen verlaufe die projektierte Trasse 300 Meter unterhalb, sagt Stiftsförster Claus Hellmold, ein Gegner des geplanten Trassenverlaufs durch den Wald.

Ganz so einfach ist es nicht. Der Wald verdient Schutz vor Zerstörung, dafür muss man sich Handlungsspielraum erarbeiten. So steht es laut Schulleiterin Gabriele Worlikar sinngemäß im Konzept des Vereins, der sich neben der Naturpädagogik auch die politische Bildung von Kindern auf die Fahnen geschrieben hat. Doch wie viel Spielraum hat eine Schule, wenn Grundschüler an öffentlichkeitswirksamen Aktionen teilnehmen? „Wir wollen uns vor keinen Karren spannen lassen“, sagt Schulleiterin Worlikar. Politische Aktionen lägen nicht in ihrem Interesse. Es gehe darum, dass der Wald an sich schützenswert sei.

Aber auch der Autobahnbau gehöre zur Lebenswirklichkeit der Kinder, sagt Worlikar. Ursprünglich habe man bei dem Workshop vorgehabt, Bäumchen, die auf der künftigen Autobahntrasse stehen, woandershin umzupflanzen. Das habe sich aber als zu aufwendig herausgestellt. „Wir wollen die Frage in den Raum stellen, ob dies der richtige Raum (für die Autobahn) ist“, sagt Benjamin Matoff vom Verein Kopfstand, der mit seiner Kollegin Mirjam Zastrow den Workshop leitete.

Man habe mit den Kindern über das Für und Wider des Projekts gesprochen. Das gehöre zur Umweltbildung. Sie hätten mit den Kindern auch an der künftigen Trasse Spiele gemacht und sie die künftige Autobahn überschreiten lassen.

Von Peter Dilling

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