Weitere Anwohner von früherem Kohleabbau betroffen

Boden senkt sich vor dem Haus - Bergbau-Loch reißt Frau in Ruin

Kaufungen. Rebecca Loos ist mit den Nerven am Ende: Seit sich der Boden vor ihrem Haus an der Niester Straße 39A in Kaufungen vor gut einem Jahr – am 31. Mai 2013 – nach starken Regenfällen plötzlich senkte, ist nichts mehr wie vorher.

Die Ehe der 28-Jährigen ist zerbrochen, ihre beiden Kinder sind stark verunsichert, sie selbst hat mehrere Kilo abgenommen und kann nicht mehr ruhig schlafen.

Der Grund: Das Haus, das sie 2012 gekauft hat, steht direkt neben einem ehemaligen Förderschacht der Kohlenzeche Freudental. In dem 32 Meter tiefen und schon vor Jahrzehnten zugeschütteten Schacht scheint es Hohlräume zu geben, daher bewegt sich hier nach starken Regenfällen die Erde. Der Schacht müsste – so ein Gutachten des Geologen Dr. Michael Clostermann – sondiert und zur Stabilisierung mit Beton verpresst werden. Dies würde an die 50.000 Euro kosten. „Das kann ich nicht bezahlen“, sagt die alleinerziehende Mutter. Obendrein sei ihr Haus inzwischen unverkäuflich geworden.

Bei der Kreisbauaufsicht sieht man derzeit keinen Handlungsbedarf: „Eine unmittelbare Gefährdung ist nicht zu erwarten“, erläuterte Kreissprecher Harald Kühlborn. Dies sei das Ergebnis der Gutachten und eigener Untersuchungen an der Niester Straße.

Loch im Boden: Im Vorgarten des Hauses Niester Straße 39A in Oberkaufungen hat sich vor über einem Jahr die Erde gesenkt. Eine Sanierung und Sicherung des verfüllten früheren Bergbauschachts vor dem Haus kann sich Hausbesitzerin Rebecca Loos (28) nicht leisten. Zu sehen ist sie mit ihren beiden Töchtern Lena (2) und Elisa (5) sowie ihrem Vater Jörg Sunkel (54). Er zeigt, dass sich die Erde im Garten um etwa 80 Zentimeter gesenkt hat.

Rebecca Loos fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. Bei einer Anwohnerversammlung im März sei von der Gemeinde die Sanierung des Schachts in Aussicht gestellt worden, sagt sie. Nun, nachdem der Gemeindehaushalt wegen des Defizits nicht genehmigt wurde, wolle man im Rathaus nichts mehr davon wissen, mutmaßt ihr Vater Jörg Sunkel.

Bürgermeister Arnim Roß (SPD) weist dies zurück. Die Gemeinde sei nach Bekanntwerden des Bergschadens sofort aktiv geworden. Obwohl es sich um Privatbesitz handele, habe man der Familie „geholfen, so weit das ging“. So habe die Gemeinde Erkundungsbohrungen und zwei Gutachten in Auftrag gegeben und die Kosten vorgestreckt. Doch nun, da keine akute Gefährdung festgestellt wurde, seien der Gemeinde die Hände gebunden. Sie müsse die Kosten von 10.000 Euro zurückfordern, über die Modalitäten der Rückzahlung könne man reden, so der Bürgermeister.

Vergangene Woche lud die Bauaufsicht die Familie ins Kreishaus. Dort sei ihnen nahegelegt worden, den abrutschenden Boden einfach mit Erde aufzufüllen. Doch das lehnt Rebecca Loos ab. Dies bringe nicht die Sicherheit, die sie brauche, „um hier wieder normal zu wohnen“, sagt sie.

Vor der Bebauung des Geländes vor vielen Jahren seien die Eigentümer auf die Baugrundrisiken hingewiesen worden, sagt Kreissprecher Kühlborn. Von den Bauherren seien damals verstärkte Fundamente im Boden gefordert worden, deren Einbau sei auch kontrolliert worden. Das wird von den Anwohnern angezweifelt, verstärkte Fundamente seien nur teilweise vorhanden.

Rubriklistenbild: © Fotos: Schindler

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