Anwohner haben Angst vor Lärm

Bürgerversammlung in Kaufungen zur A44: Alle warten auf das Gutachten

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Geplanter Verlauf der A44

Kaufungen. An der Bürgerversammlung zur A44 am Montagabend nahmen weniger als ein Dutzend Kaufunger teil. Resignieren die Anwohner?

Der umstrittene Bau der A44 im Lossetal ist seit Jahren das Reizthema in Kaufungen. Doch nachdem der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir im November vergangenen Jahres mit seinem Machtwort alle Vorschläge für alternative Trassen oder eine Einhausung der Autobahn bei Kaufungen vom Tisch gewischt hat, scheinen die Kaufunger zu resignieren. Das legt zumindest die schwache Beteiligung bei der Bürgerversammlung zur A44 nahe: Weniger als ein Dutzend Besucher kamen ins Bürgerhaus von Oberkaufungen.

Wulf Hahn

Tenor des Abends: Alle warten auf ein neues Lärmschutzgutachten, welches die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil zugesagt hat. Minister Al-Wazir hatte der Gemeinde bestmöglichen aktiven Lärmschutz zugesagt. Die Firma Regio Consult, die für die Bürgerinitiative Pro A44 die sogenannte H-Trasse entlang der Söhre bis zum Anschluss Kassel-Süd ins Spiel gebracht hatte, prognostiziert ein deutlich höheres Aufkommen an Lkw als die Autobahnplaner bisher für ihre Berechnungen zugrunde gelegt hatten. Man rechne mit weit über 30.000 Lastwagen, sagte Wulf Hahn von Regio Consult während der Bürgerversammlung.

Das Planfeststellungsverfahren im Kaufunger Abschnitt, der sogenannten VKE 11, werde in einem Jahr beginnen. Es sei immer noch ungeklärt, ob Kaufungen ein Durchfahrtverbot für Lkw behält, wenn die A44 in ein paar Jahren schon bis Helsa befahrbar sein wird. „Es werden auch Tempolimits geprüft“, sagte Hahn.

Schwache Resonanz: Bei der Bürgerversammlung in Kaufungen blieben die meisten Stühle bei der Diskussion über die A44 leer.

In der Diskussion wurde deutlich, wie sehr die Bürger die Ungewissheit über das Ausmaß des Lärms nervt. „Können die Lkw dann einfach 80 Meter über mir vorbeifahren?“, fragte Stephan Gundlach, der im Bereich Ziegelhütte wohnt – zwischen der heutigen B7 und der künftigen Autobahn. Bürgermeister Arnim Roß verwies auf den vom Minister zugesagten aktiven Lärmschutz. Das solle sich die Gemeinde lieber noch schriftlich geben lassen, sagte Rudi Sauerbrei. Er macht sich auch Sorgen, dass die Lkws das Klima im Lossetal verschlechtern. Bürgermeister Roß betonte, dass die Einhaltung der in Wohngebieten zulässigen Lärmimmissionen für die Gemeinde die rote Linie bildet. Wenn der Lärm dazu führe, dass keine Siedlungserweiterung mehr möglich sei, verletzte dies ihre Planungshoheit. Ansonsten habe man schon viel für Kaufungen erreichen können.

Im Herbst gebe es wieder eine Gesprächsrunde mit dem Ministerium. Dagmar Zimbardo befriedigte das nicht. „Ich finde diese Hilflosigkeit erschreckend. Die Kaufunger Bürger haben doch schon aufgegeben, sonst säßen hier mehr Leute“, sagte sie. Grundlegende Änderungen, so äußerten mehrere Teilnehmer sinngemäß, seien wohl nur noch durch Druck auf die Politik möglich.

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