"Das ist ein Kleinod"

Heimat für Tiere und Pflanzen: DRK-Wiese in Oberkaufungen soll bebaut werden

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Seltene Orchidee: Der breitblättrige Stendelwurz ist eine geschützte Orchidee, die nur an wenigen Standorten in unserer Region vorkommt. Conny Tröndle (von links), Werner Thiele und Peter Vesely zeigen ein Exemplar am Rand der DRK-Wiese in Oberkaufungen. Sie fürchten, dass die Pflanze bei einer Bebauung der Wiese verdrängt würde.

Kaufungen. Die DRK-Wiese in Oberkaufungen soll bebaut werden. Der Naturschutzbund und eine Bürgerinitiative will dies verhindern, weil hier seltene Pflanzen und Tiere heimisch sind. Wir sahen uns vor Ort um.

Es ist ein verwunschener Ort: eine Wiese mit knorrigen Obstbäumen; Pferde grasen friedlich vor sich hin; Insekten summen; ein Kleiber stößt seine markanten Schreie aus. Auf einem umgestürzten Zaunpfosten tankt eine Zauneidechse die Wärme der morgendlichen Sonne. Und wenige Schritte von der Wiese entfernt wächst eine seltene Orchideenart, der breitblättrige Stendelwurz (lat. epipactis helleborine). Als schützenswertes Kleinod präsentierten die Kaufunger Naturschützer Conny Tröndle, Werner Thiele und Peter Vesely die Wiese am Waldrand unterhalb der DRK-Klinik in Oberkaufungen bei einem Ortstermin der HNA.

Man kann die 8000 Quadratmeter große Fläche an der Straße „In der Rose“ aber auch anders betrachten: als Areal, auf dem zehn bis zwölf Einfamilienhäuser Platz finden könnten. Mit dem Verkauf der Baugrundstücke möchte die DRK-Klinik Umbau und Sanierung ihrer Einrichtungen mitfinanzieren. Junge Familien könnten hier eine Wohnstatt in idyllischer Lage am Rande des Kaufunger Walds finden.

Das bezweifeln die Mitglieder der Bürgerinitiative und des Naturschutzbunds (Nabu) Kaufungen / Lohfelden. Denn wenn hier gebaut würde - so ihre Befürchtung - dann werde dieser Lebensraum für selten schützenswerte Pflanzen und selten gewordene Tiere zerstört.

Die alten Eichen im Hohlweg „In der Rose“ müssten wohl einer breiteren Zufahrt geopfert werden. Die Wildkatze, die Ex-Revierförster Werner Thiele im Wald des Öfteren beobachtet hat, würde sich zurückziehen. Die Fledermäuse, die hier allabendlich in der Dämmerung flatternd ihre Runden drehen, würden ihrer Nahrung und ihrer Behausung in den alten Bäumen beraubt. Die Hirschkäfer, die in den alten Eichen leben, würden verschwinden. Und den Fröschen und Kröten, die im Frühjahr aus dem Wald zu Thieles Gartenteich wandern, um dort zu laichen, würde der Weg abgeschnitten.

Hirschkäfer: Sie sind hier anzutreffen. Dieses Exemplar ist ein Weibchen, die Männchen haben lange Zangen. 

„Das hier ist keine Baulücke, das ist ein Kleinod“, sagt Conny Tröndle, die zum Erhalt der Wiese eine Bürgerinitiative mit inzwischen 42 Mitgliedern mit ins Leben gerufen hat. Sie will, ebenso wie der Naturschutzbund (Nabu) Kaufungen-Lohfelden, die Bebauung verhindern.

Auf ihren Protest hin sollen nun vor einer Entscheidung Tiere und Pflanzen auf dem Areal systematisch erfasst werden. Das Planverfahren ruht so lange. Bis Ende nächsten Jahres könnte es dauern, bis die Untersuchung vorliegt, denn sie soll Flora und Fauna durch alle Jahreszeiten erfassen.

Um die Kaufunger über das Thema zu informieren, will die Bürgerinitiative Anfang August eine öffentliche Begehung anbieten. Im Herbst soll es dann auf der angrenzenden Streuobstwiese ein großes Apfelfest geben, wo Kinder auch selbst Apfelsaft pressen können. „Wir wollen die DRK-Klinik nicht ärgern“, sagt Conny Tröndle, „es geht uns darum, das hier zu erhalten“, sagt sie.

Von Holger Schindler

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