Nordhessen-Rallye: Nach massivem Ärger im Vorjahr spart Veranstalter Kaufungen aus

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Mit hohem Tempo unterwegs: Bei der Nordhessen-Rallye gehen am Samstag mehr als 70 Fahrer auf die Strecke. Unser Archivbild zeigt das Vorjahressieger-Team mit Reiner Keck am Steuer und Beifahrer Stefan Hab in ihrem Mitsubishi EVO9.

Lohfelden. Weithin sichtbare Staubwolken und aufheulende Motoren kündeten schon von weitem von einem Autovergnügen, das Anwohner und Weidetiere nachhaltig verschreckte – die über Wirtschafts- und Feldwege rasenden Fahrzeuge der 22. Nordhessen-Rallye sorgten im vergangenen September in Kaufungen für erheblichen Ärger.

Rinder brachen von ihren Weiden aus, Landwirte kündigten gerichtliche Schritte an. Der Veranstalter, der Kurhessische Motorsportclub Kassel (KMCK) im ADAC, hat nun Konsequenzen gezogen. Bei der 23. Nordhessen-Rallye, die am Samstag, 3. August, stattfindet, wird Kaufungen ausgespart. Außerdem habe man mit allen Anliegern der 35 Kilometer langen Wertungsstrecken im Vorfeld persönlich gesprochen, sagte KMCK-Sprecher Orest-Bodo Paul der HNA auf Nachfrage. „Wir wollen das im Einklang mit den betroffenen Landwirten machen.“

Der ADAC-Wettbewerb führt diesmal vom Lohfeldener Rüssel durch Vollmarshausen und dann über Hessisch-Lichtenau in den Raum Retterode, Wickersrode und Weidelbach im Werra-Meißner-Kreis.

„Es ist schade, dass wir immer weiter weg von Kassel ausweichen müssen“, sagte der Clubsprecher. „Näher an Kassel wäre uns lieber, schließlich sind wir ein Kasseler Verein.“

Mehr als 70 Rallye-Teams werden am Samstag auf die Strecke gehen; sie kommen aus Nordhessen, aber auch bundesweit etwa aus Bayern und Schleswig-Holstein. Gefahren wird laut Veranstalter „auf anspruchsvollen Strecken: flüssige Landstraßenstücke in Kombination mit anspruchsvollen Wirtschaftswegen, die teilweise von kurzen, aber schönen Schotterstücken gespickt sind“.

9 Uhr am Lohfeldener Rüssel

Das Rallyezentrum wird auf dem SVG-Autohof Lohfeldener Rüssel errichtet. Dort können Besucher ab 9 Uhr auch Rallye-Retro-Fahrzeuge bestaunen.

110 Ehrenamtliche – Mitglieder aus Kassel und von befreundeten Clubs – sind im Einsatz. Sie helfen als Stecken- und Funkposten, an der Kasse, beim Absperren von Straßen und beim Packen der Lunchpakete für die Fahrer. „Wir haben ein neues junges Team“, sagt Paul; er hofft, dass diesmal die Zeichen nicht wieder auf Sturm stehen.

Im vergangenen Jahr hatte ein Kaufunger Landwirt zwei Tage vor Beginn der Rallye in einem Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht versucht, die Veranstaltung zu verhindern. Ohne Erfolg, das Gericht bestätigte die Genehmigung durch das Regierungspräsidium Kassel.

Die liegt auch diesmal vor. Am 18. Juli habe man die Erlaubnis erteilt, sagte RP-Sprecher Michael Conrad – wie damals mit Auflagen. So müssen sich die Fahrer an die gängigen Geschwindigkeitsbeschränkungen halten, der Veranstalter muss Tempomessungen vornehmen. Außerdem muss die Zufahrt zu land- und forstwirtschaftlichen Betrieben jederzeit gewährleistet sein – auch hierbei hatte es im vergangenen Jahr Kritik von Landwirten gegeben.

Weitere Informationen: www.nordhessenrallye.de

Von Holger Schindler

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