Künstler wollen Abdrücke der Bäume erstellen

Kaufunger Stiftswald: Eichen müssen der A44 weichen

Einzigartig wie ein Fingerabdruck: Die chinesichen Künstler Yu Gao (links) und Yuequn Zhang (rechts) wollen Abbilder von Bäumen im Kaufunger Wald bewahren, falls die der A 44 weichen müssen. In der Mitte der Kaufunger Künstler Dr. Peter „Pitto“ Hallberg, der den Anstoß zu dem Kunstprojekt gab. Foto: Stier

Kaufungen. Wenn im Kaufunger Stiftswald tausende gesunder Bäume für die A 44 gefällt werden sollten, sollen sie dennoch als einst lebende Individuen im Gedächtnis der Menschen haften bleiben. Dafür wollen die beiden jungen chinesischen Künstler Yu Gao und Yuequn Zhang mit ihrem Projekt „Die Schneise“ sorgen.

Die Schneise hat Stiftswald-Förster Carl Hellmold mit blauem Trassierband gekennzeichnet. Auf der einmal 50 Meter breiten Trasse der A 44 unterhalb des Ruheforstes bei Oberkaufungen stehen neben ungezählten Birken, Buchen und Nadelbäumen auch30 gut 200 Jahre alte Eichen.

Auf die Rinde dieser markanten Baumriesen legen die beiden 28-Jährigen feines Reispapier und betupfen es mit einem in Kaligraphen-Tinte getauchten weichen Stempel aus Stoff. Auf dem Papier erscheint eine Art Fingerabdruck des Baumes - unverwechselbar, einmalig und in hauchzarter, schöner Musterung.

Yu Gao hat ebenso wie seine Kollegin Yuequn Zhang in China seinen Master-Studiengang abgeschlossen. Beide absolvieren gegenwärtig in Weimar ein Zusatzstudium. Die über 1000 Jahre alte chinesische Technik des „Ink-Rubbing“ wendet er seit gut fünf Jahren an. „Die Menschen sehen nur den Wald und nicht den einzelnen Baum. Wir wollen zeigen, dass jeder einzigartig und schützenswert ist und man eine herzliche Beziehung zu ihm aufbauen kann“, sagt Gao.

Yuequn Zhang berichtet von ihrer Universität in China: „Alle Gebäude wurden durch Bombenangriffe der Japaner im 2. Weltkireg zerstört - aber viele Bäume haben überlebt. Sie bewahren die Erinnerung und die Geschichte.“ Und dies sollten auch die bedrohten Bäume des Stiftswaldes tun.

Die Papierabdrücke der Baumrinde, die die beiden Künstler derzeit - der Kälte trotzend - abnehmen, sind nur der erste Schritt des auf drei Etappen ausgelegten Kunstprojektes „Die Schneise“. Sie sollen in China aufbereitet und dann in Kaufungen ausgestellt werden.

Sollten die Bäume tatsächlich gefällt werden, wollen die beiden Chinesen Tintenabdrücke der Baumstümpfe mit ihren Jahresringen machen. Gao: „Im Moment ihres Todes wollen wir das tun.“

Die Baumstümpfe sollen samt Wurzelwerk herausgeholt und deponiert werden. Aus ihnen sollen drei 30 Meter hohe Stäbe geschaffen werden, die als Mahnmal für den unfreiwilligen Opfergang des Waldes in Sichtweite der Autobahn nahe der Ziegelhütte aufgestellt werden sollen.

Gao und Zhang sind durch den Kaufunger Künstler Dr. Peter Hallberg (63) - bekannt als „Pitto“ - nach Kaufungen gekommen. Der pensionierte Schulamtsdirektor ist seit Jahren mit dem chinesischen Kunstprofessors Zhao Jun befreundet, Rektor des Fachbereichs Malerei an der Nankai Universität. Hallberg gab den Anstoß für „Die Schneise“, sein Freund gewann die beiden Studenten für das Vorhaben.

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