Benannt nach SPD-Politiker

Entscheidung über Brücke in Kaufungen: Iskes Rutsche wird wohl bald saniert

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Ein Mann und seine Brücke: Gerhard Iske, Altbürgermeister von Kaufungen, hoch über den Gleisen auf der Isken-Rutsche. Ihren Namen verdankt das 1974 errichtete Bauwerk den steilen Rampen.

Kaufungen. Wohl nirgendwo sonst in der Region wird auf so kuriose Art und Weise an einen früheren Bürgermeister erinnert wie seit vielen Jahren in Kaufungen: In der Lossetalgemeinde ist die wegen ihrer steilen Rampen berüchtigte Brücke über die Eisenbahnstrecke unweit des Steinertsees nach Gerhard Iske benannt.

Der SPD-Politiker lenkte von 1970 bis 1992 die Geschicke von Kaufungen.

Weil es - je nach Standpunkt - an der Brücke steil bergauf oder bergab geht und die Konstruktion 1974 unter der Regie Iskes errichtet wurde, heißt die Brücke Isken-Rutsche - und zwar nicht nur im Volksmund, sondern auch ganz offiziell.

Nach 41 Jahren Dauernutzung müssen die Gemeindevertreter nun am Donnerstagabend entscheiden, wie es mit dem etwas anderen Denkmal weitergeht. Denn die Brücke aus Stahlbeton, die über die vor acht Jahren stillgelegte Expressstrecke der Regiotram führt, ist stark sanierungsbedürftig.

Soll die Isken-Rutsche erhalten bleiben oder aber abgerissen und durch einen ebenerdigen Fußgängerüberweg ersetzt werden? Nach HNA-Informationen stehen die Zeichen auf Sanierung. Dabei spielt aber weniger die Frage eine Rolle, ob mit einem Abriss der Isken-Rutsche die Erinnerung an den 74-jährigen Ex-Verwaltungschef beschädigt würde. Entscheidendes Kriterium bei dem Votum am Donnerstag sind vielmehr die Kosten.

Nach den Berechnungen der Gemeinde würde der eigentliche Abbruch der Brücke rund 80.000 Euro kosten. Die Summe umfasst auch den Rückbau der Dämme zu beiden Seiten der Brücke. Dabei würden allein 2500 Kubikmeter Boden anfallen, die abtransportiert werden müssten. Für diese Menge wären rund 125 Lastwagenfuhren notwendig. Um an die Erde zu kommen, müssten zuvor nach den Erkenntnissen der Gemeinde rund 120 Bäume gefällt und deren Wurzeln ausgegraben werden.

Weiterer dicker Brocken bei der Abriss-Variante wäre der Neubau eines 100 Meter langen Gehwegs und ein neuer, nun ebenerdiger Überweg für die Passanten.

Bei dieser insgesamt 190.000 Euro teuren Lösung würde es allerdings nicht bleiben, sollten auf der früheren Expressstrecke irgendwann einmal wieder (Regiotram-) Züge fahren. Für diesen Fall fordert die Streckenbetreiberin Regionalbahn Kassel nämlich eine Sicherungsanlage. Kostenpunkt: rund 250.000 Euro. Die Sanierung der Isken-Rutsche ist dagegen nach den Berechnungen des Bauamtes für insgesamt 136.000 Euro zu haben. Preisvorteil gegenüber dem Abriss: 54.000 Euro.

Angenehmer Nebeneffekt für die Kommunalpolitiker: Die Suche nach einer alternativen Örtlichkeit zur Ehrung von Altbürgermeister Iske entfällt.

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