A 44: Feuerwehren probten die Brandbekämpfung im Tunnel

Helsa/Kaufungen/Hess. Lichtenau. Nicht nur für die Feuerwehren ist es ein Horrorszenario - die Brandschützer aus Helsa und Kaufungen übten jetzt, wie man einen Brand im Autobahntunnel bekämpft.

Die Tunneldecke ist dunkel verraucht, die Sicht bis auf wenige Meter eingeschränkt, am Tunnelhorizont ist ein rötlicher Schimmer zu erkennen, es brennt. So sah das fiktive Szenario aus, mit dem sich die Feuerwehren aus Helsa und Kaufungen bei einer Übung am Wochenende im neuen, 700 Meter langen Schulberg-Tunnel der A 44 bei Hessisch Lichtenau auseinandersetzen mussten. Ein Unfall im Tunnel mit Pkw-Brand, Verletzten und Vermissten - für viele der ehrenamtlichen Einsatzkräfte ist das ein Horrorszenario.

Jetzt zählen Sekunden. Fünf Feuerwehrleute rüsten sich mit Doppelflaschen-Atemschutzgeräten aus. Über die Gegenröhre fahren sie in den Tunnel bis zu dem der Einsatzstelle nächstgelegenen Querstollen ein. Zuvor hat bereits ein Einsatztrupp die Lage erkundet und Fluchtweg, Wasserentnahmestelle und Verletzte mit Blitzlampen markiert sowie den Brandherd gemeldet.

Der Löschtrupp betritt durch den Querschlag die brennende Tunnelröhre, nur der Maschinist bleibt am Fahrzeug zurück. Das Funkgerät ist nun die einzige Verbindung zu ihm und zur Einsatzleitung außerhalb des Tunnels.

Schnell werden zwei Schlauchleitungen aufgebaut, erste brennende Fahrzeuge grob gelöscht. Verletzte werden ignoriert, die Hauptaufgabe des Trupps lautet: Strukturkühlung, erst dann Brandbekämpfung. Denn bricht die Tunneldecke ein, ist jede Hilfe unmöglich. Für die Einsatzkräfte bedeutet dies ein völliges Umdenken: Brandbekämpfung vor Menschenrettung lautet die Devise im Tunnel.

Schläuche legen

Schnell arbeitet sich der fünfköpfige Trupp zum eigentlichen Brandherd vor, doch die Schlauchleitungen sind zu kurz. Weitere Kräfte stehen noch nicht zur Verfügung, sodass vom Querstollen weitere Schläuche geholt werden müssen. Zügig wird der Löschangriff fortgesetzt. Schließlich wird „Feuer aus“ gemeldet. Erst jetzt werden die kleinen Feuer im rückwärtigen Bereich gründlich abgelöscht.

In der Zwischenzeit ist eine weitere Tunnelfeuerwehr mit Atemschutzgeräteträgern und sechs Doppelflaschen-Atemschutzgeräten eingetroffen.

Tunnelübung der Feuerwehren Helsa und Kaufungen auf der A44

Blitzlampen und Suchstöcke

Hier bereitet sich ein weiterer Trupp auf seinen Einsatz vor. Er wird Verletzte retten. Vom Land Hessen wurde hierfür Ausrüstung zur Verfügung gestellt. Neben den bereits verwendeten Blitzlampen kommen Suchstöcke, Brandfluchthauben und eine Wärmebildkamera zum Einsatz. Sie ermöglicht auch bei starker Verrauchung das Auffinden von Wärmequellen.

Die Suchstöcke erleichtern die Orientierung bei fehlender Sicht. Fahrzeug für Fahrzeug wird nun abgesucht. Jedem gefundenen Vermissten wird eine Brandfluchthaube aufgesetzt, anschließend wird er zum nächsten Querstollen in Sicherheit gebracht.

Die Einsatzkräfte haben viel zu tun, denn einige Vermisste liegen unter Fahrzeugen, andere haben sich im Auto eingeschlossen. Wieder andere sind bei Bewusstsein, wollen jetzt aber panisch das Auto verlassen und müssen überzeugt werden, zunächst die lebensrettende Brandfluchthaube aufzusetzen.

Von Markus Kothe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.