Forscher: Luchse haben Nachwuchs im Kaufunger Wald

Der Luchs erobert neue Lebensbereiche für sich: Inzwischen sind die Tiere auch im Kaufunger Wald heimisch. Foto: dpa

Kassel/Kaufungen/Göttingen. Im Kaufunger Wald gibt es Luchs-Nachwuchs. Die bisherige Auswertung des Fotofallen-Monitorings der Universität Göttingen habe ergeben, dass in den Wäldern im hessisch-niedersächsischen Grenzgebiet junge Luchse zur Welt gekommen sind.

Das sagte Projektleiter Markus Port von der biologischen Fakultät. „Wir haben eine Luchsin mit Jungen fotografiert.“ Zuvor habe es schon entsprechende Beobachtungen gegeben. Wie viele Luchse in der Region leben, lasse sich aber noch nicht genau sagen.

Bedauerlich sei, dass Unbekannte vier der 40 Kameras gestohlen haben, mit denen die Forscher die Population erfassen wollen. Dies erschwere die korrekte Erhebung, sagte Port. Das Monitoring-Projekt, das ein Jahr lang laufen soll, sei aber nicht gefährdet.

Nicht nur in den Waldgebieten östlich von Kassel sind die Luchse inzwischen heimisch geworden. Auch im Habichtswald im Nordwesten von Kassel werden immer wieder Tiere gesichtet. „Der Luchs streift hier auf jeden Fall herum“, sagt Forstamtsleiter Uwe Zindel. Das zeige, dass der Habichtswald trotz des recht hohen Aufkommens von Wanderern und Erholungstouristen als Lebensraum für die Tiere geeignet sei.

Seit etwa drei Jahren bekomme man aus der Jägerschaft oder von Spaziergängern Hinweise auf Luchse im Habichtswald, berichtet Reinhard Vollmer. Der Naturschutzbeauftragte im Forstamt Wolfhagen ist zugleich regionaler Luchsbeauftragter des Arbeitskreises Hessenluchs. Unter anderem habe es schon Sichtungen unweit der Rasenallee, der Druseltalstraße sowie bei Ahnatal-Fürstenwald gegeben. Auch einige Schaf- und Ziegenrisse gingen vermutlich auf den Luchs zurück. Auch wenn sich nicht jeder über das Raubtier freuen mag, sagt Vollmer: „Der Luchs ist eine willkommene Bereicherung unseres Wildbestandes. Er gehört hier einfach mit dazu.“

Wie viele Tiere es im Habichtswald gibt, lasse sich kaum ermitteln. „Man kann den Luchs nicht dingfest machen, sondern nur Spuren sammeln“, sagt Vollmer. Fotofallen wie im Kaufunger Wald setze man nicht ein. Der einzige hundertprozentig sichere - wenn auch traurige - Nachweis eines Luchses sei ein totgefahrenes Tier auf der A44 bei Breuna Ende 2012 gewesen. Es handelte sich um einen Luchs der Harzpopulation.

Seit dem Jahr 2000 wurden im Rahmen der Wiederansiedlung in dem Mittelgebirge 24 Luchse freigelassen, die sich vermehrt haben und auch angrenzende Regionen besiedeln. Vermutlich stammen auch die Luchse im Kaufunger Wald von den im Harz ausgewilderten Tieren ab. Der dortige Nationalpark geht davon aus, dass im gesamten Harz derzeit 80 Luchse leben. (rud/lni)

www.luchs-in-hessen.de

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