In Kaufungen sitzen keine Mörderinnen - nur Inhaftierte mit Strafen bis zu 30 Monaten

Frauen seltener straffällig: Nur acht Prozent der hessischen Häftlinge sind weiblich

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Seit geraumer Zeit unterbelegt: Derzeit verbüßen nur noch drei Frauen ihre Haftstrafen in dem Kaufunger Gefängnis an der Leipziger Straße.

Kaufungen/Kassel. Von den rund 4500 Inhaftierten, die derzeit in hessischen Gefängnissen ihre Strafen verbüßen, sind durchschnittlich nur acht Prozent Frauen, sagt René Brosius-Linke, Sprecher des Justizministeriums in Wiesbaden.

Am Stichtag (27. Mai) waren es sogar nur 222 inhaftierte Frauen.

Und nur drei davon sitzen derzeit in Kaufungen an der Leipziger Straße hinter Gittern. Das Gros der verurteilten Frauen in Hessen muss die Haftstrafen in dem Frauengefängnis in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt III absitzen. Dort stehen 350 Haftplätze für Frauen zur Verfügung. Auch für Mütter. Die können ihre Strafen im geschlossenen Vollzug des Mutter-Kind-Heims verbüßen. Die geräumigen Zellen sind dann mit Wickeltisch, Kinderbett und einer Kiste voller Spielzeug ausgestattet.

Aus Nordhessen

René Brosius-Linke

In Kaufungen sind keine Frauen untergebracht, die wegen eines Tötungsdelikts, also Mord oder Totschlag, verurteilt worden sind. Nach Angaben von Brosius-Linke verbüßen in Nordhessen nur Frauen aus den Landgerichtsbezirken Fulda, Kassel und Marburg ihre Haftstrafen, die bis zu zwölf Monaten verurteilt worden sind. Frauen, die vor Gericht bis zu 30 Monate bekommen haben, können erst nach Zuweisung von der JVA Frankfurt III nach Nordhessen verlegt werden. Zudem ist in der Haftanstalt in Kaufungen auch das Untersuchungsgefängnis für Frauen (auch für Jugendliche und Heranwachsende) aus den Landgerichtsbezirken Kassel, Fulda und Marburg. Darüber hinaus ist Kaufungen noch für Ordnungs-, Zwangs- und Erzwingungshaft zuständig, die Frauen aus Nordhessen aufgebrummt worden sind.

13,5 Mio. für Personal

Das Kaufunger Frauengefängnis gehört zur Justizvollzugsanstalt Kassel I mit über 200 Bediensteten. Das Land gibt für das Personal in diesem Gefängnis insgesamt 13,5 Millionen. Euro pro Jahr aus.

Welcher Anteil darauf auf die Zweigstelle Kaufungen mit 18 Vollzugsbeamten falle, darüber gebe es keine gesonderte Aufstellung. so der Ministeriumssprecher.

Als Gerichtsgebäude in Kaufungen errichtet

Das Anfang 1900 errichtete Gerichtsgebäude in Oberkaufungen hatte zunächst nur einen kleinen Gefängnistrakt und wurde erst in den 1940er-Jahren zu einer Arrestanstalt ausgebaut. Nach dem Krieg war sie kurz geschlossen, in den 60er-Jahren wurde das Haus Amtsgericht in Kaufungen, danach war es bis 1999 Jugendarrestanstalt. Nach einjähriger Umbaupause wurde es ab dem Jahr 2001 als Frauengefängnis neu eröffnet. Seit 2010 gehört das Kaufunger Frauengefängnis verwaltungsmäßig zu der Justizvollzugsanstalt Kassel I, deren Hauptsitz in Wehlheiden ist.

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