Gefährdet Ruheforst die Umwelt? Streit um Erweiterung im Stiftswald

Kaufungen. Das Interesse an Urnen-Beisetzungen im Kaufunger Ruheforst hat Folgen: Die etwa neun Hektar große Waldbegräbnisstätte soll ab 2015 um fast vier Hektar erweitert werden.

Die Gemeindevertretung stimmte der Änderung des Bebauungsplans für den Waldfriedhof einmütig zu. Der im Januar schon einmal gefasste Beschluss musste aus verfahrensrechtlichen Gründen wiederholt werden.

Seit seiner Gründung 2009 sind im Stiftswald 620 Urnen bestattet worden. Man brauche die zusätzlichen Flächen aktuell noch nicht, wolle sich wegen der großen Nachfrage aber für die Zukunft rüsten, sagte der für die Gemarkung zuständige Förster des Ritterschaftlichen Stifts, Carl Hellmold. „Von der genehmigten Fläche bearbeiten wir tatsächlich nur vier Hektar im Einzugsbereich des Parkplatzes“, so der Förster gegenüber der HNA.

Die Durchforstung der an der Kohlenstraße gelegenen Erweiterungsfläche soll jetzt beginnen. Fachleute des Franchise-Partners werden dann die ausgewählten Bäume einmessen. Je nach dem Stand des Verfahrens werde der Forstbetrieb die neuen Wege anlegen, Bänke aufstellen und die Einfriedigung erweitern, sagte Carl Hellmold.

Die Pläne für die Vergrößerung des Ruheforstes stoßen nicht überall auf Zustimmung: „Warum neue Plätze schaffen, wenn noch so viele da sind“? Für ihn sei die Erweiterung des Ruheforstes nicht notwendig, sagte Holger Rode der HNA. Er befürchte vor allem eine Beeinträchtigung des nahegelegenen Brunnens durch Schadstoffe in den abbaubaren Urnen. Mit der Anzeige für einen „Stopp des Profitstrebens“ habe er sich als Bürger gegen die Ruheforst GmbH und nicht gegen den Ritterschaftlichen Forstbetrieb ausgesprochen, sagte Rode, der die Branche aus seiner beruflichen Tätigkeit gut kennt und in Kaufungen für die CDU dem Gemeindevorstand angehört.

Holger Rodes wasserschutzrechtliche Bedenken werden von am Verfahren beteiligten Gutachtern und Behörden nicht geteilt. Der Eintrag von Schadstoffen in Boden und Wasser durch Urnenbestattungen könne ausgeschlossen werden, sagen die für den vom RP nachträglich verlangten Umweltbericht verantwortlichen Fachleute des Kasseler Büros für angewandte Ökologie und Forstplanung (BÖF). Der Landkreis Kassel hält eine erneute Ausnahmegenehmigung von den Schutzauflagen für den Tiefbrunnen in der Kohlenstraße durch die Untere Wasserbehörde für entbehrlich.

Die BÖF-Gutachter bescheinigen dem Ruheforst-Projekt außerdem, dass es mit den Zielen der überregionalen Landschafts- und Regionalplanung vereinbar sei. Der Anteil der Ruheforstflächen am Stiftswaldbestand betrage (einschließlich Erweiterung) ohnehin nur 0,8 Prozent. Gerade die Nutzung als Ruheforst ermögliche eine Verbindung der Ziele der Forstwirtschaft mit der Stärkung der sozialen und ökologischen Funktion des Waldes, heißt es weiter.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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