Gemeinde lässt nun bohren

Loch tat sich auf: Bereich der Zeche Freudenthal wird untersucht

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Es wird gebohrt: Im Vorgarten eines Reihenhauses (hinten links) an der Niester Straße in Oberkaufungen soll ein 32 Meter tiefer Schacht der ehemaligen Zeche Freudenthal untersucht werden. Knapp 90 Jahre nach dem Ende der Braunkohle-Förderung war hier Ende Mai das Erdreich eingebrochen.

Kaufungen. Noch in diesem Jahr wird die Gemeinde Kaufungen eine Bohrung in dem Schacht des ehemaligen Braunkohleabbaus an der Niester Straße in Oberkaufungen vornehmen lassen. Das hat Bürgermeister Arnim Roß (SPD) angekündigt.

Im Vorgarten eines Reihenhauses, das erst im Vorjahr von einer jungen Familie gekauft worden war,hatte es Ende Mai einen Tagesbruch gegeben. Der 32 Meter tiefe Schacht war zwar 1926 nach dem Ende der Braunkohle-Förderung verfüllt worden. Knapp 90 Jahre später hatte sich im Garten des Hauses aber plötzlich ein Loch aufgetan. Diplom-Geologe Roland Schottes habe im Auftrag der Gemeinde über mögliche Gefahren des Bergbaus ein Gutachten angefertigt, das zur Abklärung der Gefahrensituation die Bohrung empfiehlt, erläuterte Roß. „Wir müssen wissen, in welchem Ausmaß und mit welcher Qualität der Schacht verfüllt wurde“, sagte der Verwaltungschef zur HNA.

Die Gemeinde werde die 8000 bis 10.000 Euro für die Bohrung vorfinanzieren, um die Sicherheit auf dem Grundstück zu gewährleisten. Später müsse dieses Geld aber von der Familie zurückgefordert werden. Die Bohrung soll klären, welche Maßnahmen erforderlich sind. Vermutlich muss der Schacht neu verfüllt und mit einer Betonplatte abgedeckt werden. Dann wären der Vorgarten des Gebäudes und der Eingang des Hauses auch wieder nutzbar.

Soweit bekannt, gab es in dem Bereich über dem Braunkohlebergbau entlang der Niester Straße, wo zwischen 1906 und 1926 rund 1,5 Millionen Tonnen des „schwarzen Goldes“ gefördert wurden, keine weiteren Erdabsenkungen. In den nächsten Wochen, so Roß, werde der gesamte Bereich vom Bauamt der Gemeinde und dem Bergamt des Regierungspräsidiums Kassel untersucht. Das Gutachten könne Gefahren für die vielen anderen Häuser des Siedlungsbereiches nicht ausschließen, jedoch sei eine akute Gefährdung sehr unwahrscheinlich, erklärte der Bürgermeister.

Mehr Informationen für eindeutigere Aussagen erhofft sich Roß durch die jetzt anstehenden Untersuchungen des Bergamtes. Erschwert werden diese, weil die meisten alten Karten und Pläne des Stollensystems der Zeche Freudenthal zerstört wurden, als Kassel und auch das Bergamt im Feuersturm der Bombardierung am 23. Oktober 1943 untergingen.

„Das wird eine mühsame Arbeit, weil es widersprüchliche Angaben über das Stollensystem und nur fragmentarisches Kartenmaterial darüber gibt“, bedauerte Kaufungens Hauptamtsleiter Carsten Marth. „Die Situation ist nicht befriedigend, aber wir versuchen mit allen Kräften, Schaden von den Menschen abzuwenden“, betonte Bürgermeister Roß.

Von Thomas Stier

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