„Ich bin oft rebellisch“: Gloria von Thurn und Taxis kommt nach Kaufungen

Gloria von Thurn und Taxi

Kaufungen. Hohen Besuch erwartet Kaufungen am 13. Juli: Gloria von Thurn und Taxis tritt im Bürgerhaus auf. Wir stellten ihr vorab einige Fragen zu ihrem Besuch.

Beim Kultursommer Nordhessen stellt die gläubige Unternehmerin gemeinsam mit der Chorschola Kalaphonia ihr Programm zur Heiligen Hildegard von Bingen vor, einer Pionierin des 12. Jahrhunderts. Von Thurn und Taxis begibt sich auf eine Spurensuche nach dem, was Hildegard von Bingen antrieb und präsentiert Gregorianische Gesänge und Texte aus dem Mittelalter. Im Zentrum des Porträts steht die Mystik der damaligen Heilkunde. Im Interview spricht von Thurn und Taxis über die Vereinbarkeit von Religion und Kapitalismus und ihre Vergangenheit als „Punk-Prinzessin“.

Frau von Thurn und Taxis, was fasziniert Sie an der Person Hildegard von Bingen?

Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis: Für mich ist Hildegard von Bingen eine Heilige, eine Seherin, Prophetin, Mystikerin, Naturforscherin, Ärztin, Philosophin, Dichterin und Musikerin und die wohl interessanteste Frau des Mittelalters. Aufgrund der Vielzahl ihrer Fähigkeiten und Begabungen, fällt es schwer, eine einzelne herauszugreifen. Aber gerade ihr Ansatz aus ihrer Naturheilkunde, dass zunächst die Seele heilen muss, damit der Körper gesund wird, ist bis in die heutige Zeit aktuell. Dies spiegelt sich für mich auch in ihrer Musik wider, sie wirkt heilend auf die Seele.

Wie kann jemand, der im 12. Jahrhundert lebte und wirkte, ein Vorbild für jemanden sein, der im 21. Jahrhundert lebt?

Von Thurn und Taxis: Jede Epoche hat ihre eigenen Vorbilder. An manche Persönlichkeiten denkt man Jahrhunderte lang. Gerade in der Naturheilkunde ist die Hildegard-Medizin brandaktuell. Wir greifen doch jeden Tag auf die Erfahrungen unserer Vorfahren zurück – nehmen Sie die Politik, die Ärzte, die Forschung, alles Kenntnisse, auf welche wir heute noch aufbauen und von denen wir uns inspirieren lassen können.

Haben Sie auch einen Bezug zur Kaiserin Kunigunde, die nach dem Tod Heinrichs II. als einfache Nonne in das Kloster Kaufungen eintrat?

Von Thurn und Taxis: Ich weiß leider nicht sehr viel über die Heilige Kunigunde – in jedem Fall ist sie doch eine Vorreiterin, ähnlich wie Hildegard von Bingen. Ist es nicht bewundernswert, dass sie das frühere Leben mit all dessen Vorzügen beiseite ließ, um sich ganz ihrer Berufung, dem Glauben an Gott, zu widmen und sich dem kargen Leben im Kloster zuwandte?

Sie sind Geschäftsfrau, die kühl kalkulieren muss. Wie geht das mit dem Glauben zusammen?

Von Thurn und Taxis: Müssen oder mussten die Menschen nicht immer schon kalkulieren? Selbst Hildegard von Bingen war eine „Geschäftsfrau“. Sie hat nach ihren eigenen Vorstellungen gehandelt und sich so bei den meisten Menschen, ob Mönch, Adel oder Bürger – Gehör und Respekt verschafft. Denken Sie nur an die Gründung ihres eigenen Klosters; das war gerade zu dieser Zeit als Frau ein Novum, sich gegen die damalige Männerherrschaft durchzusetzen und auch das kalkulatorische Risiko übernehmen zu müssen.

Über die Jahre haben Sie sich von der „Punk-Prinzessin“ zur Geschäftsfrau gewandelt. Ist noch eine weitere Verwandlung von Ihnen zu erwarten?

Von Thurn und Taxis: Das würde ich mir sehr wünschen und wäre sehr dankbar, wenn das Leben für mich noch Einiges bieten würde.

Sie reden, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist. In Ihrem Stand ist das durchaus ungewöhnlich. Macht das Ihre Popularität aus?

Von Thurn und Taxis:Sicher, ich habe meinen eigenen Kopf, bin oft rebellisch unterwegs und schere mich wenig um das Gerede anderer. Ich freue mich darüber, dass Hildegard von Bingen und ich uns in diesem Punkt ähnlich sind.

Wie genau ist das zu verstehen?

Von Thurn und Taxis: Wir beide bringen uns ein – haben nach außen gewirkt, haben sozusagen undogmatisch gehandelt. Mit Rebellion im Allgemeinen und modischen Eigensinnigkeiten im Besonderen kann ich mich aus heutiger Sicht nicht wirklich identifizieren. Meine rebellische, oder nennen wir es „lockere“ Zeit war vor allem zwischen 16 und 25. Für mich ging es im Wesentlichen gar nicht so sehr ums Rebellieren, sondern viel mehr darum, das durchzusetzen, wozu ich gerade Lust hatte. Pures Eigeninteresse auf Kosten der Familie, aber wohl auch ein Attribut der Jugend.

Zur Person: Gloria von Thurn und Taxi

Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis wurde am 23. Februar 1960 in Stuttgart-Degerloch geboren. Die heutige Unternehmerin, Managerin und Tochter des Journalisten Joachim Graf von Schönburg-Glauchau machte in den frühen 80ern durch ausgefallene Frisuren und Kleidung als „Punker-Fürstin“ und „Pop-Aristokratin“ sowie durch ihr exzessives Party-Leben auf sich aufmerksam. Nach dem Tod ihres Mannes, Johannes von Thurn und Taxis, übernahm sie 1990 das Familienunternehmen. Ihre bekannteste Äußerung tätigte sie in der Talkshow „Friedmann“ 2001: „Der Schwarze schnackselt gerne.“ 2012 nahm die dreifache Mutter einen selbst produzierten Rap-Song namens „Schloss Rap“ auf. 

Gloria von Thurn und Taxis, „Hildegard von Bingen – Gregorianische Gesänge und der Texte“, 13. Juli, 20 Uhr, Bürgerhaus Kaufungen, Leipziger Str. 463, Tickets ab 23 Euro beim HNA-Kartenservice, Mauerstraße 11, Kassel, Tel.: 0561/203 204.

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